Augen, Nase und Ohren

Werden Blinde wieder sehen können?

Es hört sich an wie ein ferner Wunschtraum. Aber dank modernster Technik könnte er sich bald erfüllen.

11.05.2021
Visuelle Informationen sammeln.	  Foto: Fotolia/Ljupko Smokovski Visuelle Informationen sammeln. Foto: Fotolia/Ljupko Smokovski

Sehen zu können, ist nicht nur eine Frage der Augen. Erst das Gehirn wandelt optische Signale in verwertbare Informationen und Bilder um.
Ein Forscherteam aus Deutschland, der Schweiz und Kanada will mit dem Projekt „I See“ blinde Menschen wieder sehend machen. Helfen soll dabei eine Miniaturkamera, die visuelle Informationen sammelt. Diese werden anschließend in geeignete Signalmuster übersetzt und an Implantate im Gehirn übertragen.
Die geplanten Implantate sollen spezifisch im Gehirn Areale ansprechen, die für die Verarbeitung von visuellen Informationen zuständig sind. „Um solche Brain-Computer-Interfaces zu entwickeln, müssen wir lernen, mit mikro-elektrischen Mitteln die Sprache des Gehirns zu sprechen“, erklärt Dirk Jancke, Privatdozent und Neurowissenschaftler der Ruhr-Universität Bochum (RUB). „Außerdem gewinnen wir wichtige Grundlagenkenntnisse für Diagnostik und Behandlung von neurophysiologischen Krankheitsbildern des Gehirns.“
Für den Gehörsinn ist der Einsatz von Cochlea-Implantaten bereits medizinischer Standard. Für den Sehsinn sind solche peripheren Prothesen nur eingeschränkt möglich.
Während bei Erkrankungen der Netzhaut, wie etwa Retinopathia pigmentosa, elektronische Netzhautimplantate genutzt werden können, sind Hilfen für zentrale Erkrankungen des Sehsystems, wie sie zum Beispiel durch Diabetes mellitus verursacht werden, nur mittels direkter Ansteuerung von Gehirnaktivität möglich.
Ziel des Projekts ist es, technische Hilfsmittel bereitzustellen, um den weltweit rund vier Millionen erblindeten Patienten visuelle Informationen zugänglich zu machen. (red)