Alters- und Palliativmedizin

Schmerzmedizin für die Zukunft rüsten

Der Bedarf an Palliativmedizin ist groß und für Patienten stellt sie einen enormen Segen dar. Trotzdem gibt es in diesem Bereich noch Verbesserungsbedarf. Die Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin e.V. (DGS) fordert erneut die Einführung des Facharztes für Schmerzmedizin.

24.09.2021
In Deutschland müssen 3,9 Millionen schwerstgradig Schmerzkranke versorgt werden.  Foto: Fotolia/sudok1 In Deutschland müssen 3,9 Millionen schwerstgradig Schmerzkranke versorgt werden. Foto: Fotolia/sudok1

Seit Jahrzehnten beklagt die DGS eine Unterversorgung in der Schmerzmedizin. Zur Versorgung der rund 3,9 Millionen schwerstgradig Schmerzkranken stehen aktuell nur 1321 ambulant tätige Schmerzmediziner zur Verfügung. Für eine flächendeckende Versorgung dieser Patienten wären aber mindestens 10

000 ausgebildete Schmerzmediziner nötig. Die Forderung lautet daher: Aufnahme der Schmerzmedizin in die Bedarfsplanung, damit Arztsitze mit schmerzmedizinischem Schwerpunkt adäquat nachbesetzt werden können.
„Wenn wir die Versorgung nachhaltig verbessern wollen, ist dieser Schritt überfällig“, sagt der DGS-Präsident Dr. Johannes Horlemann. Anlass für die Erneuerung der Forderung ist ein aktueller Beschluss der Gesundheitsministerkonferenz der Länder (GMK). Dieser hat die Arbeitsgemeinschaft der Obersten Landesgesundheitsbehörden (AOLG) damit beauftragt, die Umsetzung des GMK-Beschlusses von 2015 zur Stärkung der schmerzmedizinischen Versorgung zu evaluieren.
Auswertungen aus dem Praxis-Register Schmerz, dem mit mehr als 330

000 Behandlungsfällen weltweit größten unabhängig realisierten Schmerzregister, zeigen, dass 50 Prozent der dokumentierten Patienten eine Fahrtzeit von mehr als 60 Minuten zu ihrem behandelnden Schmerzzentrum zurücklegen müssen. 75 Prozent der Patienten wohnen mindestens 30 Minuten von ihrem Schmerzmediziner entfernt. „Das ist nur ein Anzeichen für die Unterversorgung“, sagt Horlemann. „Das Praxis-Register Schmerz, in dem täglich zwischen 200 und 300 neue Behandlungsfälle dokumentiert werden, bietet uns einen wahren Schatz für die Versorgungsforschung und ist damit gleichzeitig eine ideale Basis für Richtungsentscheidungen in der Schmerzmedizin.“
Das Ziel der DGS ist es, gemeinsam mit den Gesundheitsministern von Ländern und Bund an der Weiterentwicklung einer zukunftsorientierten Schmerzmedizin zu arbeiten. Die politischen Parteien zur bevorstehenden Bundestagswahl fordert der Verein auf, sich ebenfalls für die Stärkung der schmerzmedizinische Versorgung in Deutschland einzusetzen.
Unterstützt wird die Forderung der DGS auch von der Deutschen Schmerzliga e.V. sowie dem Berufsverband der Ärzte und Psychologischen Psychotherapeuten in der Schmerz- und Palliativmedizin in Deutschland e.V. (BVSD).

(red)