Sport, Knochen und Gelenke

Unter Kortison Knochenschutz erhöhen!

Unter Stress erzeugt der Körper das Hormon Cortisol. Auf Dauer ausgeschüttet, macht es krank. Auch das Bruchrisiko steigt, vor allem, wenn man zusätzlich Kortison bekommt.

23.06.2019
Bei einer längeren Kortison-Therapie brauchen Patienten einen Knochenschutz. Die Wirkstoffe können sie sich teils selbst spritzen.  Foto: AdobeStock / Kurz Kleemann Bei einer längeren Kortison-Therapie brauchen Patienten einen Knochenschutz. Die Wirkstoffe können sie sich teils selbst spritzen. Foto: AdobeStock / Kurz Kleemann

Das Steroidhormon Cortisol wird bei Stress ausgeschüttet und spielt beim Knochenstoffwechsel eine ambivalente Rolle. Einerseits hilft es den Knochenzellen, sich zu differenzieren. Andererseits stört ein Zuviel davon genau diesen Knochenstoffwechsel. „Die Wirkung des Kortisons auf den Knochen ist vielfältig. Es stimuliert insbesondere zu Beginn der Therapie den Knochenabbau und gleichzeitig unterdrückt es langfristig den Knochenaufbau. Die Folge ist ein starker und schnell voranschreitender Knochenschwund“, erklärt Professor Dr. med. Heide Siggelkow, Präsidentin des diesjährigen Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie (DGE). Besonders davon betroffen sei vor allem der schwammartige Knochen: Brüche träten daher bevorzugt im Bereich der Wirbelkörper auf, aber auch bei Rippen und im Oberschenkel.

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Risiko nach wenigen Monaten

Ein Knochenabbau infolge einer Kortison-Therapie ist deshalb die häufigste Ursache für die sekundäre Osteoporose. In Deutschland sind davon schätzungsweise 300.000 der insgesamt sechs Millionen Osteoporose-Patienten betroffen. „Die Kortison-induzierte ist die bedeutendste einer durch Medikamente hervorgerufenen Osteoporose. Schon nach wenigen Monaten Therapie kommt es zu einem verstärkt einsetzenden Knochenabbau“, warnt Siggelkow. Bei einer sich über mehrere Jahre erstreckenden Behandlung mit Kortison erleiden deshalb etwa 50 Prozent der Patienten eine manifeste Osteoporose mit zahlreichen Knochenbrüchen.

Wie kann man vorbeugen?

Siggelkow rät Ärzten, vor jeder Therapie eine individuelle Risikoabklärung mit dem Patienten vorzunehmen und mit Beginn der Kortison-Therapie Maßnahmen zur Vorbeugung von Knochenbrüchen zu ergreifen.
„Eine Möglichkeit, die schädliche Wirkung des Cortisols zu bremsen, ist die Gabe von Infusionen mit Bisphosphonaten, kombiniert mit Vitamin D und Kalzium“, erklärt Professor Dr. med. Matthias M. Weber, Mediensprecher der DGE aus Mainz. Weitere Substanzen sind Teriparatid, das sich der Patient täglich selbst spritzt, oder Denosumab, das zweimal im Jahr gespritzt wird. Doch „nur bei regelmäßiger Anwendung sind diese den Knochen schützenden Medikamente wirksam“, ergänzt Weber. Wichtig sei auch, die Medikation bis ein Jahr nach Ende der Glukokortikoid-Therapie fortzusetzen, da das Bruchrisiko nach Absetzen des Kortisons noch so lange erhöht bleibt. (red)