Sport, Knochen und Gelenke

Knie-Arthrose: Fünf Kilo Übergewicht verdoppeln das Risiko

Normalgewicht erleichtert in vielerlei Hinsicht das Leben. Vor allem für die Knie. Doch selbst wenn man bereits einen Gelenkschaden hat, lohnt sich das Abnehmen.

11.10.2018
AdobeStock / drubig-photo AdobeStock / drubig-photo

Jedes Jahr bekommen rund 169.000 Patienten in Deutschland ein künstliches Kniegelenk eingesetzt. Dabei könnte man etliche dieser Eingriffe vermeiden: durch bloßes Abnehmen. „Übergewicht geht auf die Kniegelenke und ist einer der Hauptgründe für Arthrose“, sagt Professor Dr. med. Karl-Dieter Heller, Generalsekretär der AE – Deutsche Gesellschaft für Endoprothetik e. V. und Chefarzt der Orthopädischen Klinik am Herzogin Elisabeth Hospital in Braunschweig. Zudem gelte: Je höher der BMI, desto schneller schreitet der schmerzhafte Gelenkverschleiß voran. „Bei Übergewichtigen tritt die Kniegelenkarthrose oft schon in jungen Jahren auf“, so der Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie. Erschreckend: Bereits fünf Kilo mehr verdoppeln das Risiko für die Entstehung einer Knie-Arthrose.

Anzeige

Erhöhtes OP-Risiko

Über 65 Prozent der Männer und mehr als 50 Prozent der Frauen im Alter zwischen 18 und 79 Jahren sind nach Zahlen des Robert Koch-Instituts hierzulande übergewichtig. Von Übergewicht spricht man ab einem BMI von über 25, das heißt ein Körpergewicht von mehr als 25 kg/m. Als adipös gilt, wer einen BMI über 30 hat. Ein Viertel der Erwachsenen ist demnach adipös. Entsprechend nimmt auch der Anteil übergewichtiger und adipöser Patienten zu, die ein künstliches Kniegelenk erhalten.
Doch mit der Körperfülle steigen auch die Operationsrisiken: „Übergewicht geht oft mit Mehrfacherkrankungen, etwa Herz-Kreislauf-Problemen in der Kombination mit Diabetes, einher“, sagt Heller. Diese Grunderkrankungen schwächen den Organismus und machen ihn anfälliger für Komplikationen wie Infektionen. Zudem ist der operative Zugang zum Gelenk, also die Schnittgröße und -tiefe, bei Dickleibigkeit größer und die Situation unübersichtlicher. „Die Präzision des operativen Eingriffs kann dadurch beeinträchtigt sein“, so Heller. Eine besonders häufige und langwierige Komplikation sind Wundheilungsstörungen: „Die Fettschicht ist schlechter durchblutet und damit auch die darüberliegende Haut. Dadurch sind die Wundränder unterversorgt und können absterben, sodass sich die Wunde möglicherweise nicht mehr schließt – der Nährboden für Infektionen ist damit gelegt“, erläutert Heller weiter.

Der richtige Zeitpunkt

Selbst wenn es für die Prophylaxe einer Arthrose zu spät sein sollte, kann sich Abnehmen dennoch lohnen, um wenigstens das OP-Risiko zu senken. „Wir empfehlen unseren Patienten deshalb, vor einer geplanten Prothesen-OP abzunehmen und etwas für die allgemeine Fitness zu tun“, sagt Professor Dr. med. Florian Gebhard, Präsident der AE und Ärztlicher Direktor der Klinik für Unfall-, Hand-, Plastische und Wiederherstellungschirurgie am Universitätsklinikum Ulm.
Für untrainierte Übergewichtige sehr geeignet seien etwa Elektrofahrräder. Sie schonen die Gelenke und unterstützen bei Hügeln und längeren Distanzen. Und er ergänzt: „Wir raten zudem, das neue Gewicht eine Zeit lang zu halten, bevor operiert wird“. Denn in der Phase des Abnehmens sei das Risiko für Komplikationen ebenfalls erhöht.

Vor- und Nachteile abwägen

Trotz der genannten Risiken profitieren auch übergewichtige Patienten bis zu etwa einem BMI von 40 von einem künstlichen Kniegelenk. „Vorher müssen jedoch zwingend alle konservativen Möglichkeiten, wie etwa Physio- und Schmerztherapie, ausgeschöpft sein“, betont Heller. Erst danach gelte es, gemeinsam mit dem Patienten die Vor- und Nachteile einer Operation gründlich abzuwägen.
Falls eine Knieprothese unumgänglich ist, sollte man sich einer Klinik mit viel Erfahrung in endoprothetischen Operationen begeben. Hier sind solche Eingriffe Routine, und die Operateure haben entsprechend viel Erfahrung. Deshalb gelingen die Eingriffe hier meist besser als anderswo.
Und ist die Operation überstanden, gehört es zu den Hausaufgaben des Patienten, das Gewicht regelmäßig zu kontrollieren und aktiv zu bleiben. Denn, so Heller, auch das künstliche Gelenk profitiere von Normalgewicht und einer stabilisierenden, gut trainierten Muskulatur. (red)