Sport, Knochen und Gelenke

Gelenke vor Einblutungen schützen

Menschen mit einer genetisch bedingten Blutgerinnungshemmung haben bei Stürzen häufig ein weiteres Problem. Denn Blutergüsse gefährden die Gelenkgesundheit und damit die Beweglichkeit.

30.07.2019
Ein Bluterguss in der Schulter schadet dem Gelenk.   Foto: AdobeStock / underdogstudios Ein Bluterguss in der Schulter schadet dem Gelenk. Foto: AdobeStock / underdogstudios

Geschnitten, gestürzt, gestoßen: Bei gesunden Menschen blutet es kurz, dann ist alles wieder gut. Für Patienten mit Hämophilie, im Volksmund Bluterkrankheit, sieht das anders aus. Ihre Blutgerinnung ist gestört, durch einen Mangel an Gerinnungsfaktoren bluten sie einfach weiter. Besonders die Gelenke sind betroffen. Schon eine Blutung kann zu einer langfristigen Schädigung des betroffenen Gelenks führen, die eine erhebliche Einschränkung der Lebensqualität mit sich bringt. Erste Therapien gab es bereits vor mehr als 50 Jahren. Heutzutage stehen moderne, länger wirksame Therapien, sogenannte Halbwertszeit-verlängernde Faktorpräparate, zur Verfügung. Sie erleichtern eine individuell angepasste Behandlung und können so nicht nur vor Gelenkeinblutungen schützen, sondern auch die Gelenkgesundheit erhalten und die Lebensqualität verbessern.

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Einblutungen vorbeugen

Denn wer aufgrund von Einblutungen ständig Schmerzen und geschwollene Gelenke hat, mag sich nicht bewegen. Für zahlreiche Hämophilie-Patienten gehört das fast zum Alltag. „Jede Gelenkblutung ist eine zu viel“, betont Dr. med. Georg Goldmann, Facharzt für Transfusionsmedizin und Hämostaseologie am Universitätsklinikum Bonn. „Darum ist die richtige Behandlung maßgeblich für eine erfolgreiche Therapie.“ Das heißt für den Experten: Sicherheit, wirksame Prophylaxe und insbesondere Gelenkschutz. „Je früher eine prophylaktische Behandlung mit modernen Therapien begonnen wird, desto besser wird Gelenkblutungen und damit auch langfristigen Gelenkschäden vorgebeugt“, so Dr. Goldmann.
Für die Patienten bedeutet ein hoher Blutungsschutz auch eine hohe Lebensqualität: Sie können sich mehr bewegen und haben weniger Schmerzen. „Mit den modernen Therapien können wir die Häufigkeit der Injektionen individuell anpassen“, erklärt der Fachmann. „Die Patienten wünschen sich, dass sie nicht so oft spritzen müssen.

Vorteil durch länger Wirkung

Die heutige Standardtherapie erfolgt über die regelmäßige Injektion von Gerinnungsfaktoren: Der Faktorspiegel im Blutplasma wird dabei vorübergehend angehoben und der Mangel temporär ausgeglichen. Damit können Patienten ein relativ normales Leben führen. Diese Art von Therapie gibt es seit den 60er Jahren. Zunächst wurden die Gerinnungsfaktoren ausschließlich aus menschlichem Blutplasma gewonnen, seit Anfang der 90er Jahre werden die Faktoren auch gentechnisch hergestellt (sogenannte rekombinante Faktorpräparate), um eine Verunreinigung mit Viren zu vermeiden.
Seit wenigen Jahren stehen nun moderne Therapien mit verlängerter Halbwertszeit zur Verfügung, die länger wirken und dadurch einen langfristigen und zuverlässigen Schutz gewährleisten können. (red)