Herz und Kreislauf

Herzschwäche: Gute Darmbakterien helfen

In unserem Körper hängt alles irgendwie zusammen. Eine neue Erkenntnis ist, dass die Darmflora Einfluss auf unsere Herzgesundheit hat.

08.11.2017
Gesunder Darm, starkes Herz? Es spricht vieles dafür.  Foto: Adobe Stock_Dan Race

Von Hippokrates (370 v. Chr.), dem großen griechischen Arzt aus der Antike, ist der Satz überliefert: „Der Tod sitzt im Darm.“ Eine aktuelle Studie bestätigt, dass dieses Organ tatsächlich auch Einfluss auf die Herzgesundheit hat. Der Grund: Ist das Herz zu schwach, werden Gewebe und Organe nicht mehr so gut durchblutet. Auch die Darmwand ist verdickt und wird durchlässiger für Bakterien und bakterielle Bestandteile. Diese können so in den Blutkreislauf gelangen und Entzündungen auslösen. Doch verändern sich dadurch auch die Bakterienkulturen im Darm?

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Veränderte Darmflora

Genaueres dazu untersuchten Forscher des Deutschen Zent
rums für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK) am Standort Hamburg/Kiel/Lübeck jetzt im Rahmen einer Studie. Dafür haben sie die Darmbakterien aus Stuhlproben von gesunden Personen und Personen mit einer Herzschwäche analysiert. Die Ergebnisse: Bei Herzschwäche-Patienten kommen deutlich weniger unterschiedliche Bakterien im Darm vor als bei Herzgesunden. Auch sind einzelne wichtige Bakterienfamilien bei den Herzkranken stark reduziert. „Natürlich beeinflussen auch andere Faktoren die Zusammensetzung unserer Darmbakterien“, räumt Privatdozent Dr. Mark Lüdde vom Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Kiel, ein. Deshalb nahmen nur solche Probanden an der Studie teil, die regelmäßig Fleisch und Gemüse essen. Auch bekam die Kontrollgruppe die gleichen Medikamente wie Patienten mit einer Herzschwäche. Ebenso waren in beiden Gruppen Raucher vertreten.

Ursache oder Wirkung?

Das Ergebnis: Personen mit Herzschwäche hatten im Vergleich zur Kontrollgruppe einen Verlust von Bakterien der Gattungen Blautia und Collinsella zu beklagen, ebenso Gattungen, die zu den Familien der Erysipelotrichaceae und Ruminococcaceae gehören. Blautia- und Faecalibacterium-Bakterien aber können Entzündungen im Körper hemmen. Und da Herzschwäche von einer chronischen Entzündung begleitet wird, ist eine Theorie, dass die Darmflora selbst die systemische Entzündung fördert. Zwar nimmt man an, dass die Veränderung der Darmflora die Folge einer Herzschwäche ist und nicht deren Ursache. Aber auch ein umgekehrtes Szenario ist denkbar. Aus diesen Ergebnissen könnten sich neue Ansatzpunkte für neue Therapien ergeben. (red)