Herz und Kreislauf

Herzkrank in die Sauna?

Gezieltes Schwitzen in der Sauna ist in Deutschland ein Volkssport. Doch für Menschen mit einer Herzerkrankung gelten hier strenge Regeln. Sonst ist Gefahr im Verzug!

05.03.2018
 Foto: Fotolia / Boggy

Saunieren ist beliebt und gesund – nicht nur im Winter. Es hilft, zu entspannen und hält den Kreislauf in Schwung. Allerdings müssen sich Patienten mit Bluthochdruck, Rhythmusstörungen, Herzkranzgefäßerkrankungen oder Herzschwäche vorher fragen, ob und unter welchen Bedingungen Saunieren für sie ratsam ist. Denn der Wechsel zwischen heiß und kalt ist für den Kreislauf anstrengend. „Damit sich Herzpatienten nicht gefährden, sollten sie nach einer diagnostizierten Herzerkrankung unbedingt mit ihrem Kardiologen besprechen, ob und bei welchen Temperaturen sie saunieren können“, rät der Kardiologe Dr. med. Vinzenz von Kageneck, Experte bei der Deutschen Herzstiftung e. V. „Ein gesundes Herz bewältigt diese Mehrbelastung in der Regel problemlos. Ein krankes Herz dagegen kommt schneller an die Grenze seiner Leistungsfähigkeit.“

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Schwalldusche und Aufgüsse sind tabu

Bei einem Saunagang von 70 bis 80 Grad und einer Dauer von 15 bis 20 Minuten steigt die Körpertemperatur um bis zu zwei Grad an (bis 39 Grad). Durch den Temperaturanstieg erweitern sich die Blutgefäße deutlich, dabei sinkt zunächst der Blutdruck und die Pulsfrequenz steigt um anfangs 20 bis zu 50 Prozent bei Erreichen der maximalen Körperkerntemperatur. Dadurch steigt die gesamte Herzleistung um circa 80 Prozent. „Für alle Herzpatienten ist deshalb die plötzliche Abkühlung mit der Schwalldusche und im kalten Becken nach der Sauna absolutes Tabu“, warnt Kageneck. Der Grund: Durch das ruckartige Abkühlen ziehen sich alle maximal weitgestellten Blutgefäße im Haut- und Unterhautgewebe plötzlich zusammen und eine große Menge Blut wird in kürzester Zeit in das Körperzentrum verschoben.
Deshalb gilt: Nach den Saunagängen langsam abkühlen, durch Umhergehen in kühlen Räumen oder durch lauwarmes Duschen. Auch auf die Sauna-Aufgüsse müssen alle Herz-Kreislauf-Patienten leider verzichten.

Temperaturen langsam steigern

Für Patienten mit Herzkranzgefäßerkrankungen (koronare Herzkrankheit, KHK) sei die Sauna kein Tabu, so Kageneck. Aber sie sollten darauf achten, Saunagänge mit langsam ansteigenden Temperaturen und nur von kurzer Aufenthaltsdauer zu beginnen. Auch sollte es ohne Weiteres möglich sein, während des Saunaganges immer wieder den Puls zu checken, um nicht zu lang über dem erlaubten Trainingspuls zu liegen.
Temperaturen von 60 bis 70 Grad sollten in einer langen Eingewöhnungsphase an die Sauna nicht überschritten werden, rät der Experte. Auch eine regelmäßige Flüssigkeitszufuhr sei wichtig. Denn beim Schwitzen werden unter anderem Körpersalze ausgeschieden, die eine wesentliche Rolle für den Herzrhythmus spielen.(red)