Gehirn, Psyche und Verhalten

Jeder vierte Student leidet unter Stress

Prüfungsdruck, Zukunftsangst – offenbar hat ein Viertel aller Studierenden damit ein Problem. Das Burnout-Risiko steigt. Und auch Angststörungen und Depressionen drohen.

28.11.2018
Wettbewerb und Zukunftssorgen machen Angst.  Foto: AdobeStock / Robert Kneschke Wettbewerb und Zukunftssorgen machen Angst. Foto: AdobeStock / Robert Kneschke

Früher war der Beginn des Studiums ein Lebensabschnitt, auf den man sich freute und als einen Schritt in die Freiheit und Selbstverwirklichung empfand. Die Studierenden von heute scheinen damit durchaus auch andere Gefühle in Verbindung zu bringen. Die Ergebnisse einer Studie zur Gesundheit Studierender weisen jedenfalls auf ein immenses Problem hin. Demnach spricht rund ein Viertel aller Befragten von einem hohen Stresserleben (25,3 Prozent) und Erschöpfung (24,4 Prozent) – die möglichen Vorboten eines Burnout. Interessant: Vor allem weibliche Studierende fühlen sich psychisch belastet: So gibt jede fünfte Studentin (21,2 Prozent) an, unter den Symptomen einer sogenannten generalisierten Angststörung zu leiden. Jede Sechste hat Anzeichen eines depressiven Syndroms (16,9 Prozent).
Die Studie wurde in Kooperation des Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW) mit der Freien Universität Berlin und der Techniker Krankenkasse (TK) durchgeführt. Für sie wurden bundesweit über 6000 Studentinnen und Studenten befragt.

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Zweifel und Anspruchsdenken

„Die Gründe, warum so viele Studierende psychische Probleme haben, sind vielfältig. Zum einen beginnt mit dem Studium ein neuer Lebensabschnitt: Studienplanung, Prüfungsordnung, eventuell eine neue Stadt – alles ist neu. Häufig fühlen sich die jungen Studierenden dadurch orientierungslos und überfordert“, so PD Dr. Dr. Burkhard Gusy, einer der beiden Studienleiter, und Leiter des Arbeitsbereichs Public Health, Prävention und psychosoziale Gesundheitsforschung an der Freien Universität Berlin. „Hinzu kommen Prüfungsdruck, Zweifel und Zukunftsangst. Viele Studierende stehen nach dem Studium auch mit hohen BAföG-Schulden da. Da lastet ein enormer Druck auf den jungen Hochschulabsolventen – teilweise auch durch die hohen Ansprüche an sich selbst. Das kann Ängste und schlimmstenfalls auch eine Depression hervorrufen“, betont der Wissenschaftler.

Geisteswissenschaftler gestresster

Dabei sind das Stresserleben und die psychische Belastung in den einzelnen Fächergruppen sehr unterschiedlich. Vor allem die Studierenden in den Sprach- und Kulturwissenschaften geben an, von Angststörungen (22,5 Prozent) und Depressionen (18,3 Prozent) betroffen zu sein, dicht gefolgt von den Studierenden in der Fächergruppe Sozialwissenschaften/ Psychologie/Pädagogik (18,4 Prozent Angststörungen bzw. 18,0 Prozent Depressionen). Mental am besten geht es den Studierenden aus den Bereichen Medizin und Gesundheitswissenschaften (14,8 Prozent Angststörungen und 10,6 Prozent Depressionen). (red)