Gehirn, Psyche und Verhalten

Demenz auf dem Rückzug

Die Erkrankung gilt als Geißel des 21. Jahrhunderts. Eine Heilung ist bislang nicht möglich. Doch nun ist eine Trendwende in Sicht, die jeder selbst für sich mit einläuten kann.

12.04.2019
Diese Generation hat gute Chancen, dem geistigen Verfall zu trotzen. Vor allem, wenn sie sich körperlich und mental fit hält.  Foto: Fotolia / goodluz Diese Generation hat gute Chancen, dem geistigen Verfall zu trotzen. Vor allem, wenn sie sich körperlich und mental fit hält. Foto: Fotolia / goodluz

Nachdem die Prognosen für Demenzerkrankungen jedes Jahr nach oben stiegen, sehen Wissenschaftler der Medizinischen Fakultät der Universität Leipzig nun Licht am Ende des Tunnels. Eine aktuelle Studie scheint eine Trendwende zu belegen. Demnach ist die Neuerkrankungsrate für Demenz in den westlichen Industrieländern rückläufig. Menschen, die heute 85 Jahre alt sind, erkranken seltener an Demenz als diejenigen, die eine Generation früher ihr 85. Lebensjahr erreichten.
Die absolute Anzahl an Betroffenen steigt jedoch vor allem durch die höhere Lebenserwartung weiter an.
Veränderungen in den Neuerkrankungsraten an Demenz belegen jedoch: Das Risiko, an Demenz zu erkranken, ist beeinflussbar. Prävention scheint möglich.

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Bildung und gesunder Lebensstil

Das ist eine sehr gute Nachricht, denn die neurodegenerative Erkrankung, zu der auch Alzheimer zählt, gehört zu den folgenschwersten Erkrankungen im Alter. Wie die Forscher im Fachjournal „Clinical Epidemiology“ berichten, zeigte sich bei der Auswertung von sieben Studien eine positive Entwicklung in den Neuerkrankungsraten – zumindest in westlichen Industrienationen, konkret in Frankreich, Großbritannien, den Niederlanden und den USA. Nur eine japanische Studie verzeichnete einen Anstieg bei den Demenzneuerkrankungen.
Die Tendenz zum Rückgang in den westlichen Industrieländern wird insbesondere der vermehrten Bildung, komplexeren beruflichen Anforderungen und einer besseren Gesundheitsversorgung, vor allem von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und anderen chronischen Erkrankungen zugeschrieben. „Mehr Bildung und fordernde berufliche Tätigkeiten erhöhen die Widerstandsfähigkeit des Gehirns gegen demenzielle Erkrankungen“, erklärt Prof. Dr. Steffi Riedel-Heller, Direktorin des Instituts für Sozialmedizin, Arbeitsmedizin und Public Health (ISAP) an der Universität Leipzig. Auch Diabetes oder Bluthochdruck, die im engen Zusammenhang mit Demenzerkrankungen stehen, kann man heute besser behandeln. Grundsätzlich gilt: „Ein gesunder Lebensstil mit viel Bewegung, geistiger und sozialer Aktivität, Nichtrauchen und ausgewogener Ernährung hilft nicht nur Herz-Kreislauf- Erkrankungen vorzubeugen, sondern auch Demenz“, so Prof. Riedel-Heller. „Zu sehen, dass jeder Einzelne und auch die Gemeinschaft etwas tun können, ist ein Lichtblick. Deshalb ist es Zeit, mehr über die Prävention von Demenz zu sprechen.“ (red)