Frauen- und Männergesundheit

Neuer Hemmstoff bei aggressivem Brustkrebs

Die häufigste Krebsart bei Frauen hat gute Heilungschancen. Doch ein bestimmter Tumortyp ist resistent gegen die Chemotherapie. Nun gibt es neue Hoffnung.

08.01.2018
 Foto :  Fotolia / gstockstudio

Obwohl sich die Prognose für Brustkrebs in den vergangenen Jahrzehnten stetig verbessert hat, gibt es mit dem „dreifach negativen Brustkrebs“ eine Untergruppe, die meist eine deutlich schlechtere Prognose erhält. Davon sind ungefähr 15 Prozent der Patientinnen betroffen. Der Grund: Diesem Brustkrebstyp fehlen Marker für eine zielgerichtete Therapie.
Nun haben Wissenschaftler des Exzellenzclusters BIOSS Centre for Biological Signalling Studies der Albert-Ludwigs-Universität und des Universitätsklinikums Freiburg gezeigt, dass die Hemmung eines epigenetischen Regulators eine neue Therapiemöglichkeit für Brustkrebspatientinnen sein könnte.
Die Epigenetik ist ein Fachgebiet, das die Regulierung von Genen beschreibt, ohne die Abfolge der DNA zu verändern.
Durch eine spezielle Kultivierung im Labor war es anschließend möglich, potenzielle neue Krebstherapeutika zu testen.

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Neues Krebsstammzell-Modell

In den letzten Jahren gab es immer wieder Hinweise, dass eine kleine Anzahl von Zellen in Tumoren deren Wachstum aufrechterhält. Diese gelten als besonders resistent gegenüber Chemotherapeutika und sind auch für Rückfälle und Metastasen (Tochtergeschwülste) verantwortlich.
Weil diese Zellen den Krebs so verteidigen und ähnliche Eigenschaften haben wie normale Stammzellen, werden sie „Krebsstammzellen“ genannt. Die Therapie speziell dieser Zellen war aufgrund der genannten negativen Eigenschaften bei Forscherinnen und Forschern in den Fokus geraten.
Wie die Fachzeitschrift Cancer Research berichtet, ist es Wissenschaftlern des neuen Zentrums für Translationale Zellforschung (ZTZ) um Dr. Jochen Maurer nun gelungen, ein Modell zu entwickeln, das es ohne ein Tiermodell ermöglicht, Krebsstammzellen aus Tumormaterial von Brustkrebspatienten zu isolieren.

Krebszellen eliminieren

In enger Zusammenarbeit mit der Forschungsgruppe von Prof. Dr. Roland Schüle vom Zentrum für Klinische Forschung (ZKF) wurden auf diesem Krebsstammzell-Modell mehrere neu entwickelte epigenetische Hemmstoffe (med. Inhibitoren) getestet.
Nun stellte sich in Verbindung mit den Brustkrebsstammzellen ein Inhibitor des epigenetischen Regulators KDM4 als besonders vielversprechend heraus.
In mehreren Krebsstammzelllinien konnten die gefährlichen Eigenschaften durch den Inhibitor blockiert und die Zellen gezielt eliminiert werden. In ersten Laborversuchen konnten die Wissenschaftler einen Rückgang des Tumorwachstums erreichen. (red)