Frauen- und Männergesundheit

Immuntherapie bei Blasenkrebs

Bei der Behandlung dieser Tumorart setzt man vermehrt auf neue Wirkstoffe. Sie bieten Hilfe zur Selbsthilfe und machen die Abwehr damit fit für den Kampf gegen die Krebszellen.

14.09.2017
Krebszellen sind leider sehr gut vernetzt.  Foto: Adobe Stock_fotoliaxrender

Rötlicher Urin, Nierenschmerzen, häufiger Harndrang – das müssen nicht, können aber erste Hinweise auf einen Blasentumor sein. Das Risiko dafür steigt mit dem Lebensalter deutlich an. Doch noch immer ist das Rauchen der häufigste Risikofaktor für die Tumorerkrankung. Erst später kommt es zu Schmerzen in der Nierengegend, was viele immer noch nicht mit der Blase in Verbindung bringen. Wer hier wachsam ist, kann den Urin beim Arzt auf Blut und Tumorzellen („Urinzytologie“) überprüfen lassen. Eine eindeutige Antwort gibt es damit jedoch noch nicht. Dafür ist zusätzlich ein Ultraschall der Blase, der Nieren und des Nierenbeckens nötig. Kann man Nieren-, Blasen- und Harnleitersteine als Gründe ausschließen und steht der Verdacht auf Blasenkrebs weiter im Raum, muss eine Blasenspiegelung die Ursache genau abklären.

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Proteine beschützen Krebszellen

Bei der Behandlung von metastasiertem Blasenkrebs, also einem bösartigen Tumor, der nach einer Behandlung wiederkommt, setzt man immer öfter auf eine Antikörpertherapie. Sie basiert darauf, das Immunsystem im Kampf gegen die Tumorzellen zu unterstützen. Denn diese werden durch bestimmte Proteine gegen Angriffe des Immunsystems geschützt. Eine kürzlich zugelassene Substanz – Antikörper, die per Infusion verabreicht werden – vermag die Hemmung des Immunsystems wieder aufzuheben und die Tumorzellen somit für die körpereigene Abwehr wieder angreifbar zu machen. „Wir behandeln also nicht den Tumor direkt, sondern aktivieren das Immunsystem der Patienten gegen den Tumor“, erklärt Prof. Marc-Oliver Grimm vom Universitätsklinikum Jena (UKJ). Die Immuntherapie mit Antikörpern sei derzeit stark im Kommen, bedürfe aber noch einiger Verbesserungen.

Neue Studie mit Antikörpern

Deshalb steht nun eine neue Studie in Zusammenarbeit mit 30 Krebszentren in Deutschland und Österreich an, die Prof. Grimm leitet. Die 250 Patienten, die an der neuen Studie beteiligt werden sollen, erhalten zunächst viermal im Abstand von je 14 Tagen einen Antikörper.
Spricht die Therapie nicht an oder führt sie nur zu einer Stabilisierung der Tumorerkrankung, erhalten sie einen zweiten Antikörper, der die körpereigenen Immunzellen über einen anderen Mechanismus aktiviert.
Mit diesem abgestuften Behandlungskonzept wollen die Mediziner die Wirksamkeit der Immuntherapie erhöhen und die Nebenwirkungen minimieren. Mitmachen können Patienten mit und ohne vorherige Chemotherapie. (red)