Ernährung und Gewichtskontrolle

Glutenarme Diät – gesund oder nicht?

Gluten hat durch die vielen Unverträglichkeiten einen schlechten Ruf bekommen. Viele verzichten deshalb darauf, auch wenn sie nicht empfindlich darauf reagieren. Das kann Diabetes begünstigen, sagt eine neue US-Studie. Aber stimmt das auch?

12.04.2017
Weizenbrot enthält Gluten. Wer das verträgt, sollte es auch weiterhin essen.    Foto: fotolia_WavebreakMediaMicro

Viele glauben, sich durch Verzicht auf glutenhaltige Lebensmittel gesünder zu ernähren, selbst wenn sie keine Gluten-Unverträglichkeit (med. „Zöliakie“) haben. Doch das könne, so die jüngste Einschätzung von US-amerikanischen Wissenschaftlern der Harvard Universität in Boston, fatale Folgen haben. Laut ihren Untersuchungen steige damit das Risiko, eine Zuckererkrankung zu entwickeln. Eine glutenarme Diät eigne sich den Wissenschaftlern zufolge nur für Menschen mit einer nachgewiesenen Intoleranz.

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Zweifel an Qualität der Studie

Frau Bianca Maurer, Pressesprecherin der Deutschen Zöliakie Gesellschaft e. V. (DZG) hat indes Zweifel an der Qualität dieser Untersuchung: „Wir von der DZG stufen diese Studie als nicht besonders hochwertig ein.“ So wären zum Beispiel keine konkreten Mengenangaben in Bezug auf das Gluten gemacht worden, das die Probanden zu sich genommen hätten. „Wir vermuten eher, dass Menschen, die weniger Gluten und damit weniger Vollkornprodukte essen, weniger Ballaststoffe und viele einfache Kohlenhydrate zu sich nehmen und daher das Risiko für einen Typ 2-Diabetes steigt. Vielmehr gehen Mediziner nach den neuesten Untersuchungen davon aus, dass ein geschwächtes Immunsystem und Umweltfaktoren für den Ausbruch der Erkrankung verantwortlich sind.

Entzündung des Dünndarms

Zöliakie ist eine chronische Erkrankung des Dünndarms, von der in Deutschland rund 800.000 Menschen betroffen sind. Sie kann in jedem Alte neu auftreten. Zu den Risikogruppen gehören Patienten mit Diabetes mellitus (Typ 1), Rheumatoider Arthritis, autoimmunen Schilddrüsenerkrankungen und Trisomie 21 (Down- Syndrom). Auch Verwandte ersten und zweiten Grades sind häufiger betroffen als die Durchschnittsbevölkerung.
Verursacht werden die Beschwerden durch das Klebereiweiß Gluten, das in Getreidesorten wie Weizen, Dinkel, Roggen und Gerste enthalten ist. Die Aufnahme von Gluten führt bei dieser Autoimmunerkrankung zu einer Entzündung des Dünndarms und einer Rückbildung der Dünndarmzotten. Dadurch können Nährstoffe nicht, wie beim gesunden Menschen, in ausreichender Menge vom Darm aufgenommen werden. Die Folge sind Mangelerscheinungen.

Symptome und Diagnose

Die Symptome sind unterschiedlich. Durchfall und Bauchschmerzen gelten als „Klassiker“. Aber gerade Kinder leiden häufig unter Eisenmangel, Wesensveränderungen wie Unzufriedenheit oder Weinerlichkeit sowie stagnierendem Wachstum. Bei Erwachsenen sind dagegen Schlaflosigkeit, Müdigkeit oder Depressionen mögliche Anzeichen einer unbehandelten Zöliakie. Aufgrund der zahlreichen und unterschiedlichen Symptome kann es Jahre dauern, bis die Krankheit diagnostiziert wird. Die Diagnose kann allein der Facharzt anhand eines Bluttests in Kombination mit einer Dünndarmbiopsie stellen.
Die einzige Therapie ist die strenge und lebenslange glutenfreie Ernährung. Durch den Verzicht auf das Klebereiweiß regenerieren sich Darmzotten und Darmschleimhaut. In den meisten Fällen tritt bereits wenige Wochen nach der Ernährungsumstellung eine Besserung ein und die Krankheitssymptome verschwinden. (red)