Augen, Nase und Ohren

Misophonie – die Unerträglichkeit der Klänge

Nicht jedes Geräusch gilt als angenehm. Wen aber schon das Summen der Fliege an der Wand in Rage versetzt, der sollte der Sache näher auf den Grund gehen. Er könnte nämlich krank sein.

14.09.2018
Manche Geräusche machen Betroffene rasend.  Foto: AdobeStock /  #CNF Manche Geräusche machen Betroffene rasend. Foto: AdobeStock / #CNF

„Pfeif nicht immer so“, „Musst du immer so mit der Zeitung rascheln?“ Menschen, die sich an diesen oder anderen Alltagsgeräuschen stören oder die dadurch sogar in Panik geraten, gelten oft als nervös und dünnhäutig. Tatsächlich aber könnte sich dahinter eine Krankheit verbergen: die Misophonie. Das berichtet die Organisation hear-it AISBL auf ihrer Internetseite. Das Wort setzt sich aus Miso- (Hass) und Phonia (Ton) zusammen und besagt, dass bestimmte Geräusche bei den Betroffenen überstarke Reaktionen hervorrufen.
Anders als bei der Hyperakusis geht es nicht darum, dass die unerwünschten Geräusche besonders laut wären.
Bei der Misophonie stören sich die daran Leidenden vielmehr an bestimmten Mustern oder Wiederholungen dieser Töne.
Obwohl viele Menschen darunter leiden, wurde die Krankheit erst seit den 1990er Jahren als solche anerkannt.

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Fehlinterpretation der Geräusche

Experten sind sich sicher, dass es sich bei der Misophonie um eine neurologische Störung handelt, bei der auditive, manchmal aber auch visuelle Reize im Zentralnervensystem falsch interpretiert werden. Warum, das ist unklar.
Meist beginnt die Erkrankung mit einem einzigen Trigger-Geräusch, oft in der späten Kindheit. Häufig handelt es sich dabei um ganz banale Geräusche aus der Umgebung, wie ein tropfender Wasserhahn, das Kauen oder Klicken eines Kugelschreibers, Husten oder Niesen. Anschließend kommen weitere, neue Geräusche hinzu, die bei dem Betroffenen ebenfalls für heftige Reaktionen sorgen.

Leben mit Misophonie

„Misophoniker“ werden von anderen oft als zu empfindlich oder neurotisch abgestempelt. Deshalb fühlen sie sich oft unverstanden. Gerade deshalb ist es wichtig, mit einen Arzt darüber zu sprechen und eine Diagnose für dieses Unbehagen zu erhalten. Das offene Reden darüber erleichtert, auch weil Betroffene mitteilen können, dass ihre Symptome keine Einbildung sind.
Leider gibt es keine echte Behandlungsmethode. Der Haus- oder HNO-Arzt kann jedoch verschiedene Strategien empfehlen. So versuchen manche, die Trigger-Geräusche mit Musik zu übertünchen oder zu vermeiden. Ein einziges, für alle Patienten bewährtes Allheilmittel, gibt es jedoch nicht.
Eine Misophonie unterschätzen sollte man nicht. Denn je nach Schweregrad kann die Erkrankung Betroffene daran hindern, Beziehungen aufzubauen oder sogar das Haus zu verlassen. (red)