Augen, Nase und Ohren

Augentraining nach Schlaganfall

Unser Organismus kann viele körperliche Defizite selbst beheben. Nach einem Hirnschlag kann zum Beispiel ein "Sakkadentraining" helfen, Gesichtsfeldausfälle auszugleichen.

17.01.2018
Regelmäßige Blickübungen am Computer helfen.   Foto: Fotolia_contrastwerkstatt

In Deutschland erleben pro Jahr rund eine halbe Million Menschen durch Unfall oder Krankheit eine Hirnschädigung. Gerade bei Schlaganfällen kommt es zu einer Unterversorgung des Gehirns mit Sauerstoff und in rund 30 Prozent der Fälle zu einer Schädigung der Sehbahn. Diese führt zu gleichseitigen Gesichtsfeldausfällen. Das bedeutet, dass beide Augen jeweils auf derselben Seite keine Wahrnehmung haben. Man spricht auch von einem „Halbseiten-Gesichtsfeldausfall“ oder „homonymer Hemianopsie“.
Diese führt zu wesentlichen Einschränkungen im Alltag: Durch die fehlende Information auf der blinden Seite entsteht eine räumliche Orientierungsstörung, bei der die Patienten gegen Gegenstände oder Menschen auf der blinden Seite stoßen, ihren Weg nicht mehr richtig finden können und im Supermarkt oder in Menschenansammlungen stark verunsichert sind. Außerdem kann die Lesefähigkeit beeinträchtigt sein. Das mindert die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben, erhöht die Abhängigkeit von anderen und verringert die Lebensqualität.
Wie eine Studie, die von der Universität in Tübingen durchgeführt wurde, nachweisen konnte, kann ein Augenbewegungstraining die spontanen Anpassungsmechanismen (häufige Augenbewegungen zur blinden Seite) effizienter machen. Das sogenannte Sakkadentraining besteht aus einem sechswöchigen Training, bei dem Suchaufgaben am Computer gelöst werden sollen. Mit schnellen Blickzielbewegungen (Sakkaden) müssen die Patienten mehrere Objekte pro Bildschirm suchen. Das Training kann selbstständig zu Hause durchgeführt werden. (red)

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