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Verändertes Ess- und Trinkverhalten am Lebensende – wie Angehörige helfen können

10.01.2019
Foto: Dr. med. Thomas Nolte

Dr. med. Thomas Nolte
Palliativarzt und Schmerztherapeut
Zentrum für ambulante Palliativversorgung ZAPV GmbH



Essen und Trinken sind elementare Grundlagen des Lebens und Ausdruck der Vitalität und Lebensfreude. Häufig sind Änderungen dieser Gewohnheiten und ein geringerer Durst und Appetit bei bestehender schwerwiegender Krankheit oder im hohen Alter typische Anzeichen für das nahende Lebensende. Der Umgang mit der Nahrung ändert sich grundlegend. Für den betroffenen alten oder schwer kranken Menschen ist diese Reaktion normal. Er reagiert damit nur auf den deutlich reduzierten Bedarf und entlastet sich durch eine verringerte Nahrungsaufnahme.
Anders geht es oft seinen engsten Vertrauten. Die Familie fürchtet, ihr lieber Angehöriger verhungert und verdurstet, was starke Ängste auslöst. Vielleicht weil sie ahnt, dass mit dem abnehmenden Appetit auch die Lebenskräfte schwinden. Dies ist aber am Lebensende – vor dem Hintergrund der Endlichkeit des Lebens – ein normaler und sogar hilfreicher Vorgang. Denn ein normales Essen und Trinken würde den Prozess des Sterbens vielmehr erschweren.
Natürlich ist es immer richtig, die Motivation zu essen und zu trinken zu fördern, allerdings sollten die Angehörigen im Gegenzug eine Zurückweisung akzeptieren, auch wenn das oft sehr schwerfällt. Denn die Ablehnung der Nahrung ist ein selbst gewähltes Verhalten und somit ein Ausdruck der Selbstbestimmung. Es lässt zwar meist die Umgebung leiden, nicht aber den betroffenen alten oder schwer kranken Menschen an seinem Lebensende.