Allgemeine Medizin

Putzmittel so gefährlich wie Rauchen?

Eine saubere Wohnung hat offenbar einen hohen Preis: Der regelmäßige Kontakt zu Reinigungsmitteln schadet der Lunge.

16.06.2018
Der Hausputz hat auch seine Schattenseiten.   Foto: Fotolia / Yuganov Konstantin Der Hausputz hat auch seine Schattenseiten. Foto: Fotolia / Yuganov Konstantin

Der Hausputz ist wichtig. Schließlich geht es damit Dreck und krankmachenden Keimen an den Kragen. Was man dabei jedoch vergisst: Die üblichen Putzmittel sind pure Chemiekeulen, deren Inhaltsstoffe auch in die Umgebung verdunsten und damit die Atemwege schädigen können. Darauf zumindest deutet das Ergebnis einer großen europäischen Langzeitstudie, des „European Community Respiratory Health Survey“, hin. Hierfür sammelten Wissenschaftler über 20 Jahre lang Daten von 6200 Teilnehmern zu Lungengesundheit und Lebensstil. Demnach ist offenbar das Risiko für Asthma und Atembeschwerden unter regelmäßig Putzenden größer. Wie das DeutscheGesundheitsPortal berichtet, deuten Studien außerdem darauf hin, dass auch die chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD) bei Menschen, die beruflich oft Putzmitteln ausgesetzt sind, öfter auftreten könnte, als bei denen, die das nicht sind.

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Frauen häufiger betroffen

Die Teilnehmer wurden innerhalb des Studienzeitraums dreimal befragt, z. B. zu Beschwerden der Atemwege und Allergien, ihrem beruflichen Werdegang, ob sie Sport treiben, wie sie wohnen, ob Haustiere im Haushalt sind, zu Ernährungsgewohnheiten, Rauchverhalten und welche Medikamente sie einnehmen. Auch ihre Lungenfunktion wurde untersucht.
In Bezug auf das Putzverhalten gaben 85 Prozent der Frauen an, regelmäßig mindestens einmal pro Woche zu Hause zu putzen. Bei den Männern waren es nur 46 Prozent. Bei den putzenden Frauen – privat oder beruflich – nahm die Lungenfunktion im Vergleich zu Frauen, die nicht putzten, stärker ab.
Verursacher dieses Verlusts sind nicht nur Reinigungssprays, sondern offenbar auch andere Putzmittel. Das Problem: Dieser langfristig schädigende Effekt zeigt sich meist erst nach 10 bis 20 Jahren. Frappiert hat die Forscher, dass die Abnahme der Lungenfunktion mit der vergleichbar war, die Tabakraucher nach 10 bis 20 Jahren täglichen Konsums einer Schachtel Zigaretten trifft, also dem Konsum eines starken Rauchers.

Vorbeugen ist möglich

Die Forscher kamen deshalb in der Studie zu dem Schluss, dass die chemischen Inhaltsstoffe von Putzmitteln die langfristige Gesundheit der Atemwege beeinträchtigen können. Gerade bei Frauen, die regelmäßig beruflich oder privat putzen, sahen sie einen Zusammenhang zu einer späteren verstärkten Abnahme der Lungenfunktion. Die Forscher sehen daher eine Notwendigkeit darin, den Fokus stärker auf die möglichen Folgen vom Kontakt zu schädigenden Putzchemikalien zu legen und wie man diese beim Putzen vermeiden kann. Denkbar wäre etwa, während des Putzens einen Mundschutz zu tragen und/oder zu Produkten mit natürlichen Inhaltsstoffen zu wechseln. (red)