Allgemeine Medizin

Nach Bauch-OP Nieren im Blick behalten!

Bei einer größeren Operation sollte man die Funktion dieser Organe besonders gut überwachen, vor allem bei chronisch Kranken.

23.12.2017
Vor einer OP sollte man besonders auf die Nieren achten.   Foto: Fotolia / Tobilander

Wenn eine größere Operation, z.B. an Magen und Darm, ansteht, denkt kaum einer daran, dass dieser Eingriff auch an die Nieren gehen könnte. Wie eine aktuelle Studie des Universitätsklinikums Regensburg (UKR) jedoch zeigt, kann eine komplexe Operation zum Beispiel im Bauchraum trotz vieler Fortschritte auch heute noch bei 13 bis 50 Prozent aller Patienten zu einer akuten Nierenschädigung führen. Die Gründe dafür sind vielfältig. So können hohe Blutverluste, die Gabe bestimmter Medikamente oder ein verändertes Flüssigkeitsmanagement eine Rolle spielen. Vor allem Patienten mit Begleiterkrankungen wie z. B. Diabetes mellitus sind betroffen.
Die Folgen der akuten Nierenschädigung reichen von einem längeren Krankenhausaufenthalt bis zu einer anhaltenden Einschränkung der Nierenfunktion, was für die hierbei ohnehin schon belasteten Diabetiker eine zusätzliche Hürde darstellt. In seltenen Fällen kann sogar eine dauerhafte Nierenersatztherapie, die Dialyse, notwendig sein.

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Früherkennung wichtig

Das Problem: Wenn nach einer Operation klinische Zeichen für eine Nierenschädigung vorliegen, ist für die Behandlung bereits wertvolle Zeit verstrichen. Die Mediziner des UKR untersuchten daher in der klinischen Studie, ob man einer drohenden Nierenschädigung entgegenwirken kann, noch bevor sich klinische Anzeichen dafür finden lassen. „Wir haben nun erstmals belegt, dass man Häufigkeit und Schwere von Nierenfunktionsstörungen nach einer komplexen Operation im Bauchraum signifikant reduzieren kann, wenn wir diese bereits therapieren, bevor sich die Nierenfunktion tatsächlich verschlechtert“, so die Autoren der Studie Dr. Ivan Göcze, Leitender Oberarzt der Operativen Intensivstation der Klinik und Poliklinik für Chirurgie, und PD Dr. Tobias Bergler, Leitender Oberarzt der Abteilung für Nephrologie.
Derzeit können konkrete klinische Hinweise auf Nierenfunktionsstörungen erst 24 bis 48 Stunden nach der Operation nachgewiesen werden. Der von den Regensburger Medizinern entwickelte Ansatz setzt einen Schritt früher an. Durch den innovativen Einsatz von Urin-Biomarkern lässt sich das Risiko für eine Nierenschädigung bestimmen, noch bevor sich klinische Hinweise hierfür ausbilden. Eine drohende Nierenschädigung kann so bereits vier Stunden nach der Operation mit hoher Sicherheit erkannt und damit auch vorzeitig therapiert werden. Die Ergebnisse dieser klinischen Interventionsstudie wurden kürzlich in „Annals of Surgery“, dem bedeutendsten chirurgischen Journal weltweit, publiziert.

Erfolgreicher Test

In die Studie wurden Patienten des Universitätsklinikums Regensburg eingebunden, bei denen komplexe Operationen im Bauchraum notwendig waren und die gleichzeitig einen weiteren Risikofaktor für die Entwicklung einer postoperativen Nierenschädigung aufwiesen. Nach der Operation wurden die Patienten auf der Intensivstation aufgenommen und von den Medizinern auf das Vorhandensein sogenannter Zellzyklusarrest-Biomarker im Urin getestet. „Erhöhte Werte der Proteine TIMP-2 und IGFBP7 zeigen, dass sich die Nierenzellen nach der Operation unter Stress befinden“, erklärt Prof. Dr. Thomas Bein, Leiter der Operativen Intensivstation der Klinik und Poliklinik für Chirurgie.
So konnte man bei Patienten mit erhöhten Werten bereits knapp vier Stunden nach der Operation mit der sogenannten nierenschützenden Therapie beginnen. Diese besteht unter anderem aus der Optimierung des Flüssigkeitshaushaltes, einer konsequenten Überwachung des Blutdruckes, um eine gute Nierendurchblutung zu gewährleisten, und der Neubewertung der Gabe potentiell nierenschädigender Medikamente.
Dieses innovative Therapiekonzept reduzierte in über 20 Prozent der Fälle das Auftreten einer akuten Nierenschädigung. Bei über 60 Prozent der so behandelten Patienten verlief die akute Nierenschädigung weniger schwer. Die Patienten konnten die Intensivstation früher als bislang wieder verlassen. „Diese Studie zeigt, dass durch die frühzeitige Nierenprotektion bei Patienten mit positivem Ergebnis des Biomarkertests der zelluläre Stress der Niere als Vorstufe der akuten Nierenschädigung größtenteils umkehrbar ist“, erklärt Prof. Dr. Bernhard Banas, Leiter der Abteilung für Nephrologie. Der neuartige Urin-Biomarker-Test wurde ursprünglich in den USA entwickelt und unlängst im Rahmen einer klinischen Studie im Universitätsklinikum Regensburg erprobt. (red)