Sport, Knochen und Gelenke

Wirbelsäulen-Rheuma rechtzeitig erkennen

Chronische entzündliche Rückenschmerzen? Dahinter könnte eine axiale Spondyloarthritis stecken. Die Überweisung an den falschen Facharzt zögert die richtige Diagnose häufig um Jahre hinaus.

12.10.2020
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Dr. med. T. Rahim



Probleme beim Ankleiden, Baden, Duschen, Schuhe Anziehen und Treppensteigen – so fing es bei Daniel S. an. Der 22-Jährige dachte zunächst, er hätte sich beim Entrümpeln des Kellers übernommen. Doch die Schmerzen gingen nicht weg. Es folgten Untersuchungen beim Hausarzt, beim Internisten, beim Orthopäden und schließlich beim Osteopathen. „Ich konnte einfach nicht glauben, dass ich in meinem Alter schon solche Rückenschmerzen bekomme“, erinnert sich der junge Mann. Was er nicht wissen konnte: Die Ursache seiner Beschwerden war eine axiale Spondyloarthritis (axSpA) – eine chronische rheumatisch-entzündliche Systemerkrankung. „Die Betroffenen leiden oft seit dem frühen Erwachsenenleben unter Schmerzen an der Wirbelsäule“, erläutert Professor Dr. Iain B. McInnes, Glasgow University, Schottland, Präsident der Europäischen Rheumaliga (European League Against Rheumatism, EULAR): „Mit der Zeit kommt es zu strukturellen Veränderungen am Achsenskelett, die die Bewegungsfähigkeit zunehmend einschränken“.

Unklare Symptome

„Die Beschwerden können sehr unterschiedlich sein und werden unter Umständen zunächst nicht mit der Erkrankung in Verbindung gebracht“, weiß Prof. Dr. med. John Isaacs, Direktor des Instituts „Cellular Medicine“, Newcastle University in Großbritannien und Vorsitzender des wissenschaftlichen Programm-Komitees beim EULAR. Typisch seien Schmerzen im unteren und oberen Rücken und im Nacken. „Bis zur richtigen Diagnose können Jahre vergehen. Dabei ist es wichtig, die Erkrankung so früh wie möglich zu erkennen und entsprechend zu therapieren. Die rechtzeitige Behandlung kann helfen, dauerhafte Schäden an Knochen und Gelenken zu vermeiden.“ Zu-dem sinke der Leidensdruck der Betroffenen enorm.

Fatale Facharzt-Odyssee

Aktuelle Ergebnisse der European Map of Axial Spondyloarthritis“-Studie (EMAS) zeigen jedoch, dass die Patienten zu Beginn der Symptome im Durchschnitt erst 7,4 +/- 8,4 Jahre später die richtige Diagnose erhielten. Die Gründe dafür waren ein jüngeres Alter bei Symptombeginn und das weibliche Geschlecht. Am häufigsten aber verzögerte sich die Diagnose durch die Vielzahl der vor der Diagnose beteiligten Mediziner.
Professor Dr. med. Denis Poddubnyy von der Charité – Universitätsmedizin Berlin, einer der Co-Autoren der Studie: „Der Besuch einer höheren Anzahl von Fachärzten hat die Diagnose verzögert. Deshalb ist es dringend notwendig, Maßnahmen zu ergreifen, um (...) Patienten mit einem Verdacht auf axSpA direkt zu einem Rheumatologen zu schicken.“ (red)