Kinder und Familie

Hodenschmerzen sind ein Notfall!

Eltern sollten plötzliche und starke Hodenschmerzen ihres Kindes immer ernst nehmen und schnellstmöglich einen Kinderchirurgen oder Kinderurologen aufsuchen.

16.07.2020
Ein gutes Vertrauensverhältnis zum Arzt ist für Kinder mit Schmerzen besonders wichtig.  Foto: fotolia_contrastwerkstatt

In etwa einem Fünftel der Fälle liegt eine „Hodendrehung“ vor, die innerhalb weniger Stunden operiert werden sollte. Zu dieser Empfehlung kommt die neue Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Kinderchirurgie (DGKCH). Die Hoden sind je nach Alter etwa oliven- bis pflaumengroße Organe, die im Hodensack in voneinander getrennten Fächern des Hodensackes untergebracht sind. Ihre Hauptfunktion besteht darin, männliche Geschlechtshormone wie Testosteron und – mit einsetzender Pubertät – auch Spermien zu produzieren. „Hodengewebe ist sehr empfindlich“, betont Dr. med. Tobias Schuster, Pressesprecher der DGKCH. Ist die Blutzufuhr komplett unterbrochen, sterben die spermienbildenden Zellen nach spätestens sechs bis acht Stunden ab, die hormonproduzierenden nach 12 Stunden. Es droht der Verlust des Hodens (www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/006-023.html).

Risiko zwischen 12 und 18 Jahren besonders hoch

Hodentorsionen können in jedem Lebensalter auftreten. Ursache sind oft besonders locker befestigte und damit im Hodenfach sehr bewegliche Hoden. Aber auch Kinder mit einem verspäteten, also nicht bis zur Geburt erfolgten Abstieg eines oder beider Hoden in den Hodensack haben ein bis zu zehnfach erhöhtes Torsionsrisiko (Deutsche Gesellschaft für Kinderchirurgie e.V.). Im Kindes- und Jugendalter gibt es jedoch Besonderheiten gegenüber Erwachsenen, die Diagnose und Therapie erschweren. Dies hängt auch mit den zwei Altersgipfeln der Hodendrehung bei jungen Patienten zusammen: Neben einem kleineren Häufigkeitsgipfel für die Hodentorsion im ersten Lebensjahr sind mit etwa 65 Prozent aller Ereignisse vor allem Knaben zwischen dem 12. und 18. Geburtstag betroffen. Während sich die sehr kleinen Patienten noch nicht präzise äußern können, tun betroffene Jungen dies in der Pubertät oft aus Scham nicht – oder zu spät. Die neue Leitlinie empfiehlt diesen Eingriff auch für den bislang unauffälligen Hoden auf der Gegenseite, um so einer möglichen Drehung vorzubeugen. (red)