Kinder und Familie

Fehlbildungen der Harnröhre nehmen zu

Immer mehr neugeborene Jungs haben eine Fehlbildung im Penis, die man schnellstmöglich operieren sollte. Sonst drohen später körperliche und seelische Probleme.

21.01.2019
Foto: Fotolia / freepeoplea

Die Hypospadie ist eine kaum bekannte Krankheit bei neugeborenen Jungen. Dabei handelt sich um eine angeborene Fehlbildung, die bei etwa einem von 125 männlichen Säuglingen auftritt. Bei den Betroffenen ist das Urinieren aus der Penisspitze nicht möglich, da der Harnleiter sich während der Entwicklung im Mutterleib nicht bis dorthin entwickelt hat. Die Ursachen sind noch nicht restlos geklärt. Zu den vermuteten Hauptursachen (10 bis 70 Prozent) gehört ein Enzymdefekt oder eine Hormonerkrankung. Auch gibt es eine familiäre Häufung. Bei rund 7 Prozent der Hypospadiepatienten waren auch die Väter betroffen, und Brüder von Betroffenen haben ein 14-prozentiges Erkrankungsrisiko. Auch ein höheres Alter der Mutter, ein niedriges Geburtsgewicht und eine künstliche Befruchtung (In-vitro-Fertilisation) erhöht die Wahrscheinlichkeit für eine Hypospadie. „Leider ignorieren immer noch zu viele Eltern aus Unkenntnis oder Scham diese Fehlbildung bei ihren männlichen Säuglingen. Wird die Hypospadie nicht frühzeitig operiert, sind bei Jugendlichen oder jungen Erwachsenen körperliche aber auch seelische Probleme fast immer die Folge“, mahnte Professor Hadidi, Chefarzt für Kinderchirurgie am Sana-Klinikum in Offenbach.
Die neuen und schonenden Operationsmethoden tragen dazu bei, dass Babys und Kleinkinder nach der Operation weder fixiert werden noch bis zu zwölf Tage im Bett bleiben müssen. Sie können sich sofort frei bewegen und meist wenige Tage nach der Operation mit ihren Eltern die Klinik verlassen. Wenn der korrigierende Eingriff möglichst bald nach der Geburt des Kindes erfolgt, treten nur selten Komplikationen auf. „Deshalb ist es besonders wichtig, dass Eltern mit betroffenen Kindern möglich früh einen erfahrenen Kinderchirurgen aufsuchen“, empfiehlt Hadidi. (red)