Gehirn, Psyche und Verhalten

Neue Stents bei tiefen Hirnaneurysmen

01.05.2020
Plötzliche starke Kopfschmerzen könnten auf ein Aneurysma hindeuten.  Foto: AdobeStock/chika_milan Plötzliche starke Kopfschmerzen könnten auf ein Aneurysma hindeuten. Foto: AdobeStock/chika_milan

Aussackungen der Hirnarterien (Aneurysmen) sind potenziell lebensgefährlich. Reißen sie, ist das ein absoluter Notfall. Eine vorsorgliche Operation wird daher dringend angeraten. Liegt das Aneurysma allerdings tiefer im Gehirn, an kleinen, unübersichtlichen oder stark verzweigten Gefäßen, gilt die Gefäßschädigung als nur schwer und mit hohem Risiko operierbar.

Enge Gefäßstrümpfe

Seit kurzem machen neue Implantate Hoffnung auf einen schonenden und erfolgreichen Eingriff: sogenannten Mini-Flow-Diverter. Das sind kleine, besonders eng gewebte, metallische Gefäßstrümpfe. Die Neuroradiologen am Universitätsklinikum Leipzig (UKL) haben diese speziellen Stents bereits 70-mal erfolgreich minimalinvasiv eingesetzt. Das kleine Implantat leitet den Blutfluss um und sorgt dafür, dass die Gefäßaussackung und damit die Rissgefahr schrumpft, ohne dabei OP-Risiken einzugehen.

Offene OP riskant

Bei komplexen Gefäßverhältnissen war bislang der Eingriff am offenen Gehirn unumgänglich. Dabei wurde in einer stundenlangen Operation der Schädelknochen geöffnet und die Gefäßfehlbildung operiert – mit hohem Risiko. Nur in seltenen Fällen konnte ein Eingriff über die Leiste versucht werden, mit oft unbefriedigendem Ergebnis. Oder es wurde zunächst abgewartet, ob sich das Aneurysma vergrößert. „Für die Patienten sind das keine sehr guten Optionen“, weiß der Leipziger Neuroradiologe Prof. Karl-Titus Hoffmann, „denn die Ängste werden nicht kleiner, und wir erleben leider immer wieder, dass gerade diese kleinen, kompliziert gelegenen Aneurysmen zur lebensbedrohlichen Blutung führen.“ Knapp ein Drittel der Patienten überleben dieses Ereignis nicht. Ein weiteres Drittel muss mit teils langfristigen Beeinträchtigungen leben.

Minimal-invasiver Eingriff

Die Mini-Flow-Diverter werden per Katheter über einen kleinen Schnitt in der Leiste in das geschädigte Gefäß eingeführt. Er kann das komplizierte Aneurysma ausschalten und einer Blutung vorbeugen und damit einem möglichen Schlaganfall.
„Wir können mit den neuen Möglichkeiten viele Notfälle verhindern“, ist der Leiter der UKL-Abteilung für Neuroradiologie überzeugt. Entdeckt werden die Gefäßaussackungen fast immer zufällig. (red)

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