Sport, Knochen und Gelenke

Schwindel durch Verspannungen?

Es gibt viele Schwindelarten. Auch Fehlstellungen der Halswirbelsäule können eine Ursache sein. Sie sind behandelbar, doch leider schwer zu diagnostizieren. Die Patienten brauchen aber Hilfe.

30.03.2020
Foto: Fotolia/Stefan Redel Foto: Fotolia/Stefan Redel

Patienten mit Schwindel haben einen enormen Leidensdruck. Gangunsicherheit, teils auch Übelkeit sind ihre ständigen Begleiter. Eine konkrete Ursache würde ihnen Mut geben und die Behandlung erleichtern. Doch die Diagnose ist schwer zu stellen. Zu viele Ursachen kann es dafür geben. Darunter auch Fehlhaltungen bzw. -stellungen der Halswirbelsäule (HWS) und der Kiefergelenke, etwa durch Abnutzung im Alter oder Unfälle, die zu einer Funktionsstörung führen. Blockaden und Verspannungen der HWS sind die Folge. Sie können das Gleichgewichtsorgan im Innenohr beeinträchtigen, das wichtige Informationen ans Gehirn weitergibt. Falsche Signale über die Lage des Kopfes können dann zu Schwindelgefühlen führen.
Experten sprechen in diesem Fall vom „zervikogenen Schwindel“. Das Problem: Dieser lässt sich meist nur per Ausschlussverfahren ermitteln, konkrete Diagnoseverfahren gibt es nicht. „Schwindel, der sich durch Kopfbewegungen bemerkbar macht, weist immer auch auf eine Störung des Gleichgewichtsorgans im Innenohr hin. Aus diesem Grund gestaltet sich eine eindeutige Befundung als schwierig“, weiß Dr. Bodo Schiffmann, Schwindelexperte, HNO-Arzt und Leiter der Schwindelambulanz in Sinsheim.

Computer und Smarthphone

Hauptauslöser dafür sind vor allem Fehlhaltungen im Alltag. Falsche beziehungsweise einseitige Positionen, wie langes Sitzen am Arbeitsplatz, verstärken das Risiko für Verspannungen. Der dauerhafte Blick nach unten auf das Smartphone wirkt sich ebenfalls negativ auf die Gesundheit der Halswirbelsäule aus.
Um einen zervikogenen Schwindel zu diagnostizieren, gilt es, ihn zunächst gegen andere mögliche Erkrankungen abzugrenzen. Dies erfordert allerdings den geschulten Blick eines erfahrenen Spezialisten. „Bestimmte Untersuchungsmethoden, die einen Ursprung an der Halswirbelsäule eindeutig aufdecken, gibt es nicht. Lediglich spezielle Diagnostikverfahren wie die sogenannte Posturographie, mit der sich die Funktionsfähigkeit aller Gleichgewichtsrezeptoren in Gehirn, Ohr und Halswirbelsäule überprüfen lässt, geben Hinweise auf einen HWS-Schwindel“, so der Experte.

Alternative Therapien testen

Spricht alles für einen zervikogenen Schwindel, kann man versuchen, die Beschwerden durch manuelle Therapien zu reduzieren. Bestimmte Griffe verbessern die Beweglichkeit. Leichter Zug und Druck lockern blockierte Gelenke. Danach löst sich meist auch der Schwindel. Liegt ein Gefäß-Nerven-Konflikt vor, verbessert sich die Situation bereits, wenn man entsprechende Medikamente einnimmt, die eine nervenberuhigende Wirkung haben. Zusätzlich hilft es einigen Betroffenen, die Schlafposition zu verändern, um das eingeklemmte Gefäß gezielt zu entlasten. (red)