Sport, Knochen und Gelenke

Es sind nicht immer die Bandscheiben

Bei Schmerzen nach Stürzen, Schwangerschaften oder Arthrose, denken viele an Bandscheibenprobleme. Dabei kann das Iliosakralgelenk die Ursache sein.

09.12.2019
Rund um die beiden Kreuz-Darmbein-Gelenke (ISG) kann sich schnell mal etwas verschieben. Dann drohen höllische Schmerzen.  Foto: AdobeStock/mangostock Rund um die beiden Kreuz-Darmbein-Gelenke (ISG) kann sich schnell mal etwas verschieben. Dann drohen höllische Schmerzen. Foto: AdobeStock/mangostock

Verschleißerscheinungen, etwa durch anhaltende Fehlhaltungen, oder entzündlich-rheumatische Erkrankungen, Schwangerschaften, ein Sturz auf das Gesäß oder der Tritt ins Leere führen oft zu Schmerzen in Rücken und Gesäß. „Dadurch auftretende Beschwerden werden oftmals dem Wirbel oder der Bandscheibe zugeschrieben und fälschlicherweise viel zu häufig operiert.
Dabei liegt die eigentliche Ursache in jedem fünften Fall im Iliosakralgelenk“, weiß Kasim Fischer, Facharzt für Neurochirurgie aus Mönchengladbach. Als Verbindungselement von Wirbelsäule und Becken sorgt das Iliosakralgelenk, kurz ISG, für Stabilität. Gerät es aus seiner Position, drohen schmerzhafte Verkantungen der Gelenkplatten. Experte Kasim Fischer beantwortet die wichtigsten Fragen dazu.

Wie sieht das typische Beschwerdebild aus?
Patienten klagen häufig über einseitige, tief sitzende Schmerzen im unteren Rücken, die teilweise bis in beide Beine und Kniegelenke ausstrahlen. Ebenfalls als typisch gelten Druckbeschwerden im Gesäß und der Leistenregion. Sie treten plötzlich auf, zum Beispiel bei bestimmten Bewegungen wie dem Beugen oder Drehen des Oberkörpers.
Mit der Zeit kommen Schmerzen vor allem beim Gehen, nach längerem Sitzen oder beim Treppensteigen vor.

Wie kann man ein ISG-Syndrom erkennen?
Als Erstes folgt eine ausführliche Anamnese. Stimmen die Aussagen der Patienten mit dem Beschwerdebild überein, leiten Ärzte weitere Schritte ein. Bildgebungsverfahren wie Computer- oder Magnetresonanztomografie sowie Röntgenuntersuchungen kreisen den möglichen Auslöser weiter ein. Auch eine minimalinvasive Therapie mit Hilfe von lokalen Infiltrationen kommt zum Einsatz.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?
Schmerzmittel, physikalische und manuelle Maßnahmen, wie Elektrophysiologie oder Fangopackungen, lindern erste ISG-Beschwerden. Klagen Betroffene über anhaltend starke Schmerzen, können auch lokale Injektionen direkt ins Gelenk kurzzeitig helfen. Als nächster Schritt kommt die Radiofrequenz-Thermokoagulation zum Einsatz, bei der unter Einfluss von Wärme eine Verödung der schmerzempfindlichen Strukturen herbeigeführt wird.
Erst wenn alle genannten Maßnahmen ausgereizt sind und es kaum noch Beschwerdefreiheit gibt, empfiehlt sich ein operativer Eingriff. (red)