Mund, Zähne und Kiefer

Was ist besser: Implantate oder Prothesen?

Lücken in den Zahnreihen sind nicht nur ein optischer Makel. Sie gefährden auch die Kaufunktion und Statik des Gebisses. Implantate können die Reihen schließen und sind unterm Strich nicht unbedingt teurer als Brücken und Prothesen.

05.08.2020
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Niemand muss heute mehr zahnlos bleiben. Doch schnell stellt sich die Frage: Prothese oder Implantat? Was kann ich mir leisten? Implantate stehen im Ruf, besonders teuer zu sein. Doch wie verhält es sich beim Einsatz von Brücken oder Prothesen wirklich? Und wie wirkt sich der Zahnersatz auf die Gesundheit aus? Zahnersatz wird von der Krankenkasse bezuschusst, solange im Vorfeld die jährliche Kontrolle wahrgenommen wurde. „Abgesehen von den Zuschüssen sind die Investitionen für eine Brücke oder eine Prothese zunächst niedriger als beim Einsatz von Implantaten“, weiß Dr. Dr. med. dent. Thea Lingohr MSc, Zahnärztin und Oralchirurgin aus Köln.

Folgekosten bedenken

Doch sollte man nicht außer Acht lassen, dass Prothesen nach der Anfertigung tagtäglich weitere Kosten verursachen. „Langfristig gesehen kann es zu einem großen Knochenschwund kommen, infolgedessen die Saugwirkung verloren geht. Betroffene wenden dann über lange Zeit Haftcremes an, statt die Prothese vom Zahnarzt prüfen zu lassen“, so die Expertin. Auch Reinigungstabletten zur Lagerung in der Nacht sind auf Dauer ein gewisser Kostenfaktor. Hinzu kommt, dass zur modernen Prothesenpflege spezielle Prothesenbrüsten gehören, die man wie Zahnbürsten regelmäßig austauschen muss. Das Reinigen in der Aufbewahrungsflüssigkeit über Nacht allein beseitigt nicht alle Beläge und begünstigt somit das Bakterienwachstum. Einmal im Jahr kommen zudem die Kosten für eine professionelle Laborreinigung hinzu, um Pilzinfektionen zu vermeiden. Dr. Dr. Thea Lingohr: „Überschlägt man alle Aspekte und vergleicht diese mit den Kosten eines Implantateinsatzes, komme ich zu dem Ergebnis, dass Prothesennutzer nach fünf Jahren auf die gleichen Kosten kommen wie für zwei Mini-Implantate.

Kiefersubstanz schrumpft

Auch Haftcremes sind ein Kostenproblem, jedoch nicht ausschließlich. Durch die fehlende Beanspruchung von Kiefer und Zahnfleisch verändern sich diese mit der Zeit und bilden sich zurück, es kommt zu Knochenschwund. Diese Veränderung sollte von einem Zahnarzt geprüft werden, der die Prothesen entsprechend neu anpasst. „Doch das verursacht wieder Kosten, die viele Betroffene nicht in Kauf nehmen wollen oder können – auf Kosten der Mundgesundheit“, verdeutlicht Dr. Dr. Lingohr. „Haftcreme sollte, wenn überhaupt, nur eine kurzzeitige Zwischenlösung sein, denn wenn sie nötig wird, sitzt die Prothese nicht mehr ordnungsgemäß.“
Zusätzlich zu diesem Aspekt kann Haftcreme ebenfalls Einfluss auf die Gesundheit nehmen. „Einige Inhaltsstoffe begünstigen Krankheiten. Dabei gelangen diese Stoffe sehr schnell in den Körper, da sie im Mund direkt über die Schleimhäute aufgenommen werden.“ So enthalten fast alle Cremes Paraffinöl, das aus Erdöl gewonnen wird und die Poren der Haut verschließt, was zur Mundtrockenheit führen kann. Der eigentlich haftendende Wirkstoff ist in der Regel Copolymer. Brücken wiederum werden an bestehende gesunde Zähne „angedockt“, dazu müssen diese klein geschliffen, also beschädigt werden. „Die sogenannten Pfeilerzähne bei Brückenlösungen werden mit der Zeit immer in Mitleidenschaft gezogen, weil der Zahnschmelz an der Stelle unwiederbringlich fehlt. Zudem steigt das Risiko des Kieferknochenabbaus an der zahnlosen Stelle, da dieser nicht mehr beansprucht wird.“ Für Brücken gelten zudem die gleichen Pflegebestimmungen wie für Prothesen, nur die Haftcreme fällt weg.

Mehr Lebensqualität

Vor diesem Hintergrund gilt es, beim Zahnarzt ganz konkret nachzufragen und Kosten gegen Nutzen abzuwägen. Denn wer seine Prothese oder Brücke wie zuvor beschrieben anwendet, würde mit der Zeit einen Einschnitt an Lebensqualität erleben, so die Erfahrung der Expertin. Oft litten Patienten sehr unter schlechtsitzendem Zahnersatz und ziehen sich aus dem gesellschaftlichen Leben zurück oder meiden Speisen, die sie nicht gut kauen könnten. Anders bei Implantaten. Sie fühlten sich an wie echte Zähne. Zahnfleischrückgang und der Abbau des Kieferknochens würden vermieden. Sie setzen sich aus einer künstlichen Wurzel, einem Verbindungsstück zur Krone und der Krone, dem als „Zahn“ sichtbaren Teil, zusammen. Dabei wird bei größeren Lücken nicht jedes Implantat einzeln gesetzt. Für implantatgetragene Brücken werden pro Kiefer vier bis sechs Titan- oder Keramikstifte in den Kieferknochen eingebracht. Dr. Dr. Lingohr: „Mit diesem Ersatz können Patienten fest zubeißen, frei lachen und müssen keine Investition in Form von regelmäßigen Anpassungen oder Pflegemittelkauf befürchten.“ (red)