Herz und Kreislauf

Risiken für Herzschrittmacher und Defis

Elektromagnetische Felder können für Implantate am Herzen zum Problem werden. Zwei Fachgesellschaften geben Hinweise, von welchen Geräten man besser Abstand halten sollte.

27.01.2020
Handys strahlen mehr als Sendemasten. Inteferenzen sind dennoch die Ausnahme.   Foto: Fotolia / ra2 studio Handys strahlen mehr als Sendemasten. Inteferenzen sind dennoch die Ausnahme. Foto: Fotolia / ra2 studio

Pro Jahr werden in Deutschland mehr als 77.000 Herzschrittmacher und über 25.000 Defibrillatoren implantiert, immer öfter auch bei jüngeren Patienten. Zugleich nimmt die Zahl der elektromagnetischen Felder weiter zu. Interferenzen dieser Felder mit aktiven kardialen Implantaten können in harmlosen Fällen zu einem Moduswechsel des Herzschrittmachers führen. In schwerwiegenden Fällen aber zu inadäquaten, schmerzhaften Schockabgaben bei implantierten Defibrillatoren (ICDs). Die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie (DGK) und der Deutschen Gesellschaft für Arbeitsmedizin und Umweltmedizin e.V. (DGAUM) haben in einer Pressemitteilung Empfehlungen für den Umgang mit vielen Alltagsgeräten gegeben, die auf aktuellen Studienergebnissen basieren.

Smarthphone, MP3-Player, Kopfhörer

Die gute Nachricht vorweg: Moderne Mobiltelefone und Smartphones mit Internetfunktion stellen nur ein sehr geringes Interferenzrisiko dar. Ein Sicherheitsabstand von 15 cm zum Implantat, wie er noch vor zehn Jahren empfohlen wurde, ist aufgrund der Telefonie- und Internetfunktion nicht mehr erforderlich. In Studien mit Smartphones trat nur ein einziger Fall auf, in dem Störsignale nachgewiesen wurden, nachdem das Handy direkt auf die Hautstelle gelegt wurde, unter der sich das Implantat befand.
Zu induktiven Ladestationen hingegen sollten Schrittmacher- und ICD-Träger einen Mindestabstand von 10 cm einhalten. Unterhaltungselektronik und Kopfhörer MP3-Player können ohne Bedenken genutzt werden. Da sie allerdings während der Nachsorgeuntersuchung die Telemetrie zwischen Programmiergerät und Implantat stören können, sollten sie während dieses Zeitraums nicht in Betrieb sein.
Die in Kopfhörern oder Lautsprechern verarbeiteten Dauermagnete können Störungen an Herzschrittmachern und Defibrillatoren erzeugen. Daher sollten sie niemals direkt auf der Stelle platziert sein, an der das Gerät implantiert ist.

Diebstahlsicherungen, Induktionsherde, Körperfettwaagen

Auch die elektronischen Warensicherungssysteme in den Ein- und Ausgangsbereichen von Kaufhäusern sollten lieber zügig passiert werden. Denn dort warnt ein Magnetfeld vor gestohlener Ware. Die größte Interferenzgefahr geht dabei von akustomagnetischen Diebstahlsicherungen aus. Zu RFID-Scannern sollten Herzschrittmacherträger 60 cm und Defibrillator-Träger 40 cm Abstand einhalten.
Sowohl Torbogenmetalldetektoren als auch handbetriebene Detektoren, wie sie an Flughäfen verwendet werden, sind – der Datenlage zufolge – kein Risiko.
Insbesondere schrittmacherabhängige Patienten und ICD-Träger sollten einen Sicherheitsabstand von mindestens 25 cm zwischen Implantat und Induktionsherd einhalten. Einem normalen Gebrauch des Herdes steht somit nichts im Wege.
Bei Körperfettwaagen erscheint das Risiko einer Interferenz gering. Schrittmacherpatienten ohne einen ausreichenden eigenen Herzrhythmus sowie ICD-Träger sollten aber vorerst von der Verwendung absehen, da die geringe Fallzahl der bisher untersuchten Patienten keine eindeutige Risikoeinschätzung erlaubt.
Die Fachgesellschaften raten, bereits vor der Implantation zu klären, ob der Patient im privaten oder beruflichen Umfeld starken Störquellen ausgesetzt ist. So kann der Arzt im Vorhinein das passende Implantat aus
wählen und die Geräteparameter entsprechend einstellen.
Hat der behandelte Arzt bei der Implantatnachsorge jedoch den Verdacht auf eine elektromagnetische Interferenz, sollte man sich bemühen, die Störquelle herauszufinden. Meist fällt die Interferenz im intrakardialen Elektrogramm (iEGM) auf. Hier zeigen sich z. B. beim ICD meist relativ homogene Störungen, die das Fernfeld-EGM und das Nahfeld-EGM sowie bei Mehrkammersystemen auch alle Kanäle gleichzeitig betreffen. (red)