Herz und Kreislauf

Gewebepflaster für schwache Herzen

Nach einem Infarkt gibt es Narben im Herzmuskel. Diese machen unseren Lebensmotor immer schwächer. Neue Herzmuskelzellen sollen die Schlagkraft zurückbringen.

21.06.2019
Ersetzen Herzpflaster bald die Spenderherzen?  Foto: Fotolia / Fabio Balbi Ersetzen Herzpflaster bald die Spenderherzen? Foto: Fotolia / Fabio Balbi

Bei jedem Herzinfarkt sterben Herzmuskelzellen ab. Anders als andere Zellen können sie sich bei Erwachsenen nicht erneuern. Die Folge: Durch den dauerhaften Funktionsausfall kann sich das Herz nicht mehr richtig zusammenziehen. Das schränkt die Pumpleistung des wichtigsten Muskels extrem ein. Auch die gesunden Bereiche, die dadurch mehr arbeiten müssen, geraten somit unter Druck. Bei rund einem Viertel der Infarktpatienten kommt es deshalb über kurz oder lang zu einer chronischen Herzschwäche. „Unter dieser sogenannten Herzinsuffizienz leiden sehr viele Patienten in Deutschland. Umso wichtiger ist es, dass die Forschung hier vorangetrieben wird“, sagte Professor Dr. med. Claus F. Vogelmeier, Kongresspräsident der Jahrestagung 2019 der Deutschen Gesellschaft für Internistische Medizin Ende April in Wiesbaden.

Neue Zellen züchten

Forscher arbeiten daran, mit sogenannten Herzpflastern eine Brücke über das beschädigte Gewebe zu schlagen, und zwar mit im Labor gezüchteten Gewebeflicken. Sie bestehen aus kontraktionsfähigen Herzmuskelzellen und werden aus verschiedenen Stammzellen gezüchtet. Anschließend werden sie entweder direkt in den Herzmuskel gespritzt oder auf einem Gerüst aus Collagen oder Fibrin zu einem spontan schlagenden Herzmuskelflicken vorgezüchtet. Wie ein Flicken auf einer kaputten Hose, so wird auch dieses Zellgewebe auf die Oberfläche des Herzens genäht. Hier wächst es an und bildet neues Herzgewebe. „Das Aufbringen dieser Pflaster ist zwar aufwendiger als die Zellinjektion, hat aber mehrere Vorteile“, erklärt Professor Dr. med. Thomas Eschenhagen, Vorstandsvorsitzender des DZHK und Institutsdirektor am Zentrum für Experimentelle Medizin des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf.

Implantat vorher testen

Die Vorteile: Zum einen würden keine Zellen abgeschwemmt, wodurch sich die Effizienz deutlich erhöhe, zum anderen gebe es, anders als nach einer Zellinjektion, keine Herzrhythmusstörungen. Und drittens lasse sich die Kontraktionskraft des neuen Gewebes bereits vor der Implantation testen, so Eschenhagen.
Bereits im kommenden Jahr sollen in einer DZHK-Studie erste Herzpflaster an Patienten mit schwerer Herzinsuffizienz getestet werden, die ansonsten auf ein Spenderherz angewiesen wären. (red)