Haut, Haare und Ästhetik

Mehr Wundinfektionen durch Klimawandel?

Meteorologen prognostizieren für die Sommer der Zukunft häufigere Hitzerekorde. Das belastet nicht nur den Kreislauf, sondern kann auch die Wundheilung stören, besagt eine erste Studie der Charité.

09.04.2020
Hitze behindert die Heilung der Haut.	Foto: Fotolia/vladischern Hitze behindert die Heilung der Haut. Foto: Fotolia/vladischern

Deutschland hatte in den vergangenen Jahren auffallend häufig mit Starkregen, Stürmen, Dürre und Hitze zu kämpfen. Vor allem Hitzewellen haben auch gesundheitliche Auswirkungen, unter anderem auf die Wundheilung. Mediziner der Berliner Charité konnten jetzt in einer Studie mit Daten aus 17 Jahren zeigen, dass Wundinfektionen in wärmeren Monaten häufiger auftreten als in kühleren. Die Ergebnisse erläuterte der Studienleiter Dr. med. Seven Johannes Sam Aghdassi auf der Jahrespressekonferenz der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin e.V. (DGIM) Mitte Februar in Berlin.
Für die Studie wurden 2000 bis 2016 über das Krankenhaus-Infektions-Surveillance-Systems (KISS) zwei Millionen Operationen dokumentiert.

Risikofaktor Temperatur

Den Daten zufolge ist es in diesem Zeitraum zu 32.000 Wundinfektionen nach er Operation gekommen. Die Angaben zur Wundheilung aus dem KISS verknüpften die Mediziner mit meteorologischen Messdaten des Deutschen Wetterdienstes, wie etwa der Außentemperatur, dem Niederschlag und der Luftfeuchtigkeit.
Die Studienautoren konzentrierten sich bei der Analyse auf die monatliche Durchschnittstemperatur. Wie sich zeigte, stand diese in einem deutlichen Zusammenhang mit der Zahl der dokumentierten Wundinfektionen. „Grob gesagt nahm mit jedem Grad, um das die Außentemperatur anstieg, das Risiko für eine postoperative Wundinfektion um ein Prozent zu“, erklärt Aghdassi.
Bei der Analyse definierter Temperaturbereiche ergab sich zwischen der kältesten Kategorie (weniger als 5 Grad Außentemperatur) und der wärmsten (20 Grad oder mehr) ein Risikozuwachs von 13 Prozent.

Coli-Bakterien vermehren sich

Dabei schienen manche Bakterientypen stärker auf die Außentemperatur zu reagieren als andere. Während sich die Zahl der Infektionen mit grampositiven Erregern nur wenig änderte, nahmen Infektionen mit gramnegativen Keimen – wie etwa E.coli-Bakterien – mit steigenden Temperaturen deutlich zu. Auch waren oberflächliche Wundinfektionen sehr viel stärker temperaturabhängig als Infektionen in tieferliegenden Wundbereichen.
Die Analyse, an der auch Wissenschaftler des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung beteiligt waren, hat, Aghdassi zufolge, einen rein erkundenden Charakter. „Es handelt sich lediglich um einen ersten Schritt in die Thematik hinein“, betont der Berliner Studienleiter. Entsprechend möchte er die Schlussfolgerungen aus seiner Analyse zunächst auch nur als Hypothese verstanden wissen. Eine Hypothese allerdings, die es angesichts der im Zuge des Klimawandels zu erwartenden Temperatursteigerung weiter zu untersuchen lohnt. (red)