Haut, Haare und Ästhetik

Die richtige Hautpflege für Diabetiker

Zuckerkranke klagen meist über trockene Haut. Doch die herkömmlichen Pflegekonzepte für Gesunde reichen hier leider nicht aus.

13.01.2017
Nicht nur bei Menschen mit Diabetes hoch im Kurs: gehaltvolle Cremes und Pflegeschäume, die Fett und Feuchtigkeit spenden.  Foto: fotolia_ Robert Kneschke

Übergewicht und mangelnde Bewegung führen nach Jahren oft zu Diabetes Typ 2. Hoher Blutzucker und Bluthochdruck haben den Stoffwechsel aus dem Gleis gebracht. Das körpereigene Insulin wird von den Zellen immer schlechter aufgenommen und vermag deshalb auch den Zucker nicht mehr sicher zu senken.
Das hat auch Auswirkungen auf die Haut. Sie steht an der Grenze zwischen dem Chaos im Inneren des Körpers und unserer Umwelt, vor deren schädlichen Umwelteinflüssen sie uns gleichzeitig schützen soll. Viele Diabetiker leiden unter Hautproblemen, wie trockener Haut, Schrunden, Fußpilz und schlecht heilenden Wunden. Schutz bieten nur eine gute Blutzuckereinstellung durch Medikamente und eine intensive Pflege.

Leere Wasserspeicher

Im Fokus dieser Fehlfunktion bei Diabetikern steht die Oberhaut mit ihrer Hornschicht. Sie allein vermag uns vor Austrocknung, Krankheitserregern und Schadstoffen zu schützen, ist jedoch eingebettet in eine Fettmasse, die wiederum mit der Qualität der Versorgung aus der darunter liegenden Lederhaut steht und fällt. Denn hier befinden sich Blutgefäße, Nerven, Schweiß- und Talgdrüsen. Nehmen sie durch einen langfristig erhöhten Blutzucker Schaden, können sie nicht mehr korrekt arbeiten. Die Haut wird nicht mehr optimal mit Nährstoffen und Sauerstoff versorgt. Die Folge: Sie kann Feuchtigkeit nicht mehr wie sonst speichern und trocknet schneller aus. Rund 20 bis 40 Prozent der Diabetiker haben trockene Haut.

Gestörte Fettproduktion

Auch die hauteigene Fettproduktion in den Talgdrüsen gerät bei Diabetikern meist aus der Balance. Der Fettfilm auf der Hornhaut bekommt „Löcher“ und kann die darunter liegende Haut nicht mehr zuverlässig vor Umwelteinflüssen schützen. Hinzu kommt: Dieser biologische Säureschutzmantel ist auf ein leicht saures Milieu mit einem pH-Wert von rund 5,5 angewiesen. Falsche Pflege, z. B. mit alkalischen Seifen, heißem Wasser und minderwertigen Cremes kann diese natürliche Hautbarriere also zusätzlich schwächen. Die Haut wird rau und rissig, schuppt, spannt und juckt unangenehm. Auch ist sie generell anfälliger für Reizungen und Allergien. Produkte mit Parfüm-, Duft- und Konservierungsstoffe sind für Diabetiker deshalb weniger geeignet.

Empfindliche Füße

Besonders häufig betroffen davon sind Hände und Gesicht, Beine und Füße. Vor allem die Füße stehen immer wieder im Mittelpunkt der Diabetiker-Pflege. Und das völlig zu Recht: Denn Durchblutungs- und Nervenstörungen als Folgeerscheinung der Erkrankung sind an diesem weit vom Herzen entfernten Ort häufig. Die Schweißproduktion lässt nach und macht die Haut besonders spröde, rissig und abwehrschwach. Bakterien und Pilze haben leichtes Spiel. Hinzu kommt: Infektionen und Wunden bleiben hier länger unentdeckt und heilen dazu auch schlechter ab. Im schlimmsten Fall droht die Amputation. Menschen mit einem Diabetischen Fußsyndrom (DFS) müssen deshalb besonders gut auf ihre Füße achten!

Die richtige Reinigung

Diabetiker sollten diese empfindlichen Körperpartien täglich nur mit einer milden, pH-Wert neutralen Seife oder einem lipidreichen Duschöl und warmem Wasser reinigen. Das Gleiche gilt für alle Körperpartien, die schwitzen. Der Rest ist mit Wasser ebenso zufrieden. Eine übertriebene Reinigung schadet nur. Für die Gesichtsreinigung sind rückfettende Reinigungslotionen ideal.
Beim Waschen in der Wanne sind ebenfalls Fett spendende Badeöle Trumpf. Länger als zehn Minuten sollten Zuckerkranke hier aber dennoch nicht ausharren. Sonst quillt die Haut zu sehr auf und trocknet unnötig aus. Dasselbe gilt für Fußbäder. Anschließend mit einem weichen Handtuch abtrocknen. Dabei Hautfalten an Ellenbogen, unter der Brust oder Zehenzwischenräume besonders beachten. Denn feuchte, warme Orte sind die Lieblingsplätze der Pilze und Bakterien. Danach eine spezielle Pflegecreme für Diabetiker auftragen.

Vorsorge mit Feuchtigkeit

Die richtige und regelmäßige Pflege kann den Zustand der Haut deutlich verbessern und damit die Gefahr für Infektionen reduzieren. Diabetiker sind deshalb einmal mehr auf qualitativ hochwertige Produkte angewiesen. Eine wichtige Rolle spielt hier der Feuchthaltefaktor Harnstoff (Urea). Die Konzentration des natürlichen Bestandteils der Haut ist bei Diabetikern teils um 90 Prozent niedriger als bei Gesunden. Speziell für die Fußpflege gibt es in der Apotheke Cremes und Cremeschäume mit zehn Prozent Harnstoff (Urea). Inhaltsstoffe wie Hamamelis und Lavendelöl wirken zusätzlich durchblutungsfördernd, belebend und desinfizierend. Für die Gesichtshaut reichen fünf Prozent Urea, Glycerin oder Allantoin für mehr Feuchtigkeit.
Doch auch die Versorgung von innen ist wichtig. Denn Diabetiker haben durch den erhöhten Blutzuckerspiegel auch einen größeren Harndrang und verlieren zusätzlich Flüssigkeit. Sie sollten deshalb über den ganzen Tag verteilt rund zwei Liter Mineralwasser oder ungesüßten Kräutertee trinken.

Fett nicht vergessen!

Fett ist für Diabetikerhaut mindestens genauso wichtig. Denn Lipide legen sich wie ein Schutzfilm auf die Haut, bilden somit eine wehrhafte Barriere zur Umwelt und schützen die Haut vor Austrocknung. Fettreiche Wasser-in-Öl (W/O)-Emulsionen transportieren außerdem den Harnstoff besser in tiefere Hautschichten als die Öl-in-Wasser (O/W)-Produkte. Das meiste Fett enthalten Salben. Sie galten deshalb lange Zeit als sicherste Verdunstungsbarriere auf trockener Diabetikerhaut. Heute weiß man, dass sie leider auch die Poren verstopfen und somit die Hautatmung behindern. Besser sind spezielle Cremeschäume. Sie ziehen schneller ein und kleben nicht an der Kleidung. Die Haut kann ungehindert atmen und ist dennoch ausreichend mit Fett und Feuchtigkeit versorgt.
Auch wenn bei der Pflege die Auswahl groß ist, empfehlen Experten, nicht allzu oft zwischen den Produkten zu wechseln. Das Allergierisiko steigt sonst erheblich an. Wer mit seiner Pflegeserie zufrieden ist, sollte deshalb dabei bleiben.
Extra-Tipp: Wie jede andere Haut auch, sollte trockene Diabetikerhaut vor schädlichen Umwelteinflüssen geschützt werden. Zusätze wie Vitamin E machen sie fit gegen freie Radikale. Ein hoher Lichtschutzfaktor (mind. LSF 15) sollte beim Aufenthalt im Freien sommers wie winters nicht fehlen. Kurze Sonnenbäder sind dennoch ratsam, sonst trocknet die empfindliche Haut automatisch noch mehr aus. (red)

Rötungen wegschminken

Viele Diabetiker zeigen eine dauerhafte Gesichtsrötung („rubeosis diabetica“), vorwiegend jedoch Typ-1-Diabetiker. Die genaue Ursache ist bislang noch nicht eindeutig geklärt. Möglicherweise ist die Rötung ein Hinweis auf die mangelnde Wasserversorgung der Haut und schlecht eingestellte Zuckerwerte. Soforthilfe bieten Pflegecremes mit grünen Farbpigmenten (aus der Apotheke). Sie neutralisieren den Rotton und sorgen für einen gleichmäßigen Teint. Langfristig sollte man jedoch auf einen gut eingestellten Blutzucker achten.