Haut, Haare und Ästhetik

Blasen auf Schleimhäuten früher erkennen

Sie ist selten, aber schmerzhaft: die Autoimmunerkrankung Schleimhautpemphigoid. An der Universität Lübeck ist man einer Verbesserung von Diagnose und Therapie nun auf der Spur.

25.10.2019
Klinikchef Prof. Dr. Detlef Zillikens (rechts) und Assistenzarzt Dr. Sören Dräger (links) von der Universität Lübeck mit ihrem Patienten Martin Romberger (Mitte).    Foto: René Kube/Universität zu Lübeck Klinikchef Prof. Dr. Detlef Zillikens (rechts) und Assistenzarzt Dr. Sören Dräger (links) von der Universität Lübeck mit ihrem Patienten Martin Romberger (Mitte). Foto: René Kube/Universität zu Lübeck

Schmerzhafte, chronische Blasen auf der Schleimhaut – Stefanie Gärtner (87) aus Hannover, Martin Romberger (53) aus Kassel und Dr. Wilhelm Schütte (71) aus Braunschweig leiden unter dem „Schleimhautpemphigoid“, einer Autoimmunerkrankung. Die Diagnose ist schwierig. Oft liegt eine Odyssee von Arzt zu Arzt hinter den Betroffenen.

Wunden und Narben

Bei den meisten Patienten beginnt die Erkrankung in der Mundschleimhaut. Aber auch die Nasen- und Genitalschleimhäute sind am stärksten betroffen. Selbst in Rachen, Speiseröhre oder After können sich Blasen bilden. Das Problem: In den Schleimhäuten zerreißen Blasen leicht, wodurch sich meist schmerzhafte Wunden (Erosionen) bilden können.
Sind die Bindehäute der Augen betroffen, kann es durch Narbenbildung im schlimmsten Fall bis zur Erblindung kommen. Diese Patienten bedürfen daher ganz besonders dringend einer intensiven Therapie. Für die genaue Diagnosestellung sind eine Gewebeprobe und eine Blutentnahme notwendig.
Auch durch die häufig schmerzhaften Mundschleimhautveränderungen droht Gefahr. Denn dadurch kommt es häufig zu Schwierigkeiten beim Essen und infolgedessen zur Gewichtsabnahme und Schwäche.

Neue Ansätze in Sicht

Deshalb ist eine frühe Diagnose sehr wichtig. Hier gibt es verschiedene neue Ansätze. Dabei werden insbesondere ELISA- und Biochip-basierte Verfahren eingesetzt, die molekulare Formen der Autoantigene verwenden.
Diese neuen Testverfahren sind nicht nur für die bessere Diagnostik dieser Erkrankung geeignet, sondern auch für die Einschätzung des Therapiebedarfs und der Therapie, weil bei vielen dieser Erkrankungen die Höhe der Autoantikörperspiegel im Blut mit der Krankheitsaktivität korreliert.
Neue Therapieansätze sind sowohl hinsichtlich der Verminderung der Antikörperproduktion als auch in Bezug auf den durch die Autoantikörper verursachten Gewebeschadens in der Haut zu erwarten. Für Klinikchef Prof. Dr. Detlef Zillikens ist entscheidend, dass die Behandlung möglichst früh ansetzt, um ein Übergreifen auf andere Organe verhindern zu können: „Wir versuchen, eine noch spezifischere Wirkweise der Medikamente zu erreichen, damit sie nur an den Zellen ansetzen, die tatsächlich für die Krankheit verantwortlich sind.“ (red)