Frauen- und Männergesundheit

Ständige Schmerzen in Blase und Unterleib?

Bei dauernden Verdauungsproblemen und Nahrungsmittelunverträglichkeiten gerät meist der Darm in Verdacht. Doch zusammen mit häufigen Blasenentzündungen kann etwas anderes dahinterstecken.

12.11.2020
Eine Wärmflasche lindert schmerzhafte Bauchkrämpfe.  Foto: Fotolia/Piotr Eine Wärmflasche lindert schmerzhafte Bauchkrämpfe. Foto: Fotolia/Piotr
Foto: Alexander Sell

Dr. Clara Park
Radiologin
RNS Gemeinschaftspraxis
Wiesbaden



Frauen kämpfen oft mit wiederkehrenden Blasenentzündungen. Doch nicht alle Formen dieser Erkrankung werden durch Bakterien hervorgerufen. In diesem Fall liegt eine „Interstitielle Cystitis“ (IC) vor. Die nichtbakterielle chronische Blasenentzündung zeigt sich häufig zusammen mit anderen chronisch-entzündlichen Erkrankungen wie Morbus Crohn, Rheuma oder Endometriose. Nach Angaben des Bundesverbands für Gesundheitsinformation und Verbraucherschutz e. V. (BGV) muss jede zweite bis dritte Frau mit Endometriose auch mit einer IC rechnen. Jede dritte IC-Patientin habe überdies ein Reizdarmsyndrom und beinahe jede vierte eine Allergie. Fast neun Prozent der Betroffenen leiden gleichzeitig an entzündlichem Rheuma.

Späte Diagnose

Das Problem: Die Interstitielle Cystitis ist deutlich seltener als ihre Begleiterkrankungen und wird deshalb oft erst Jahre später erkannt. Deshalb sollte jede Frau, die trotz konsequenter Behandlung einer ärztlich diagnostizierten Erkrankung weiterhin Beschwerden hat, beim Facharzt auf einer gezielten Diagnostik zur IC bestehen, rät der BGV. Das gilt insbesondere dann, wenn zu den Unterleibsschmerzen ein ständiger Harndrang hinzukommt, der zigmal am Tag zur Toilette zwingt und auch nachts nicht nachlässt.

Entzündungen durch Histamin

Insbesondere im Zusammenhang mit Histamin stellt sich eine Verschlechterung der Symptome ein, weshalb eine histaminarme Ernährung empfohlen wird. Das bedeutet: frische, naturbelassene Produkte. Histamin freisetzende Nahrungsmittel wie Zitrusfrüchte, Alkohol und Glutamat sollten gemieden werden. Ebenso ist Zurückhaltung angebracht bei Lebensmitteln, die den Abbau von Histamin hemmen, wie Nüsse, Ananas und Kakao.
Der Botenstoff Histamin kann entzündliche Prozesse in der Blasen- und Darmschleimhaut in Gang setzen und deren Durchlässigkeit erhöhen. Mediziner sprechen hier vom „Leaky-Gut-Syndrom“. Dabei können schädliche Substanzen die Darm- oder Blasenbarriere leichter passieren, eine unterschwellige Entzündung des Immunsystems oder des Gewebes bewirken und infolgedessen chronische Entzündungen oder Autoimmunerkrankungen auslösen. (red)