Augen, Nase und Ohren

Raupen bringen Augen in Gefahr

Der Kontakt mit den Haaren des Eichenprozessions- spinner löst teils heftige Hautreaktionen aus. Jetzt raten Mediziner, auch die Augen zu schützen. Sonst hilft nur noch eine OP.

25.09.2019
Die Brennhaare bleiben selbst in verlassenen Gespinnsten noch lange haften.  Foto: Fotolia/Timo Teifel Die Brennhaare bleiben selbst in verlassenen Gespinnsten noch lange haften. Foto: Fotolia/Timo Teifel

Eichenprozessionsspinner, aus denen sich Nachtfalter entwickeln, breiten sich durch die zunehmenden Hitzesommer immer weiter aus. Bekannt ist, dass die Haare bei vielen Menschen zu allergischen Reaktionen der Haut führen. Neu ist, dass der Schädling offenbar auch an den Augen heftige Reaktionen verursachen kann. Verantwortlich dafür ist das Nesselgift Thaumetopoein – ein Eiweiß der Raupenhaare. Lamis Baydoun, Oberärztin der Augenklinik am Universitätsklinikum Münster (UKM), musste kürzlich mehreren Patienten die Härchen des Prozessionsspinners aus dem Auge operieren. Das ist neu in Deutschland.
Die Pressestelle des UKM führte mit ihr ein Interview über die Problematik.

Frau Dr. Baydoun, Sie berichten von mehreren Patienten, die mit schwersten Augenbeschwerden notfallmäßig zu Ihnen in die Augenklinik kamen. Offenbar war der Eichenprozessionsspinner Anlass?
Wir waren ganz überrascht, seit dem letzten Wochenende haben wir täglich neue Fälle, inzwischen sechs, wo Patienten die Härchen vom Eichenprozessionsspinner im Auge hatten. Diese Patienten beschrieben, dass sie vorher Fahrrad gefahren sind, Laub aufgewirbelt haben oder bei der Reinigung der Bäume vom Eichenprozessionsspinner zugeschaut haben. Sie beklagten eine Rötung des Auges, ein Fremdkörpergefühl, Tränen, Jucken und starke Schmerzen, sodass wir gesagt haben, dass wir bei diesen Patienten die Härchen operativ entfernen müssen.

Das mit der Operation ist aber gar nicht so einfach …
Ja, im OP mussten wir feststellen, dass die Härchen so fein sind, dass wir sie selbst mit unseren feinsten Instrumenten kaum zu fassen kriegen. Man muss da schon als Operateur das Bild des Auges mit der größten Einstellung vergrößern, sonst könnte man diese kleinen Härchen gar nicht sehen. Und es ist sehr schwierig, die Härchen aus der Hornhaut zu bekommen, in der sie sich festsetzen. Aber generell muss man sagen, dass wir solche Fälle bislang in Münster noch nie hatten und wir es hier mit einem neuen Phänomen zu tun haben, das unseres Wissens so als Serie deutschlandweit bisher nicht beschrieben ist.

Was empfehlen Sie Patienten, die in diesen Tagen unerklärliche Augenbeschwerden haben und befürchten, das könnte mit dem Eichenprozessionsspinner zusammenhängen?
Wir empfehlen Patienten, die plötzlich – auch einseitig – ein rotes Auge haben, das heftig schmerzt, tränt und juckt, nicht einfach abzuwarten, ob das von allein weggeht. Menschen mit solchen Beschwerden sollten schnell zum Augenarzt gehen und überprüfen lassen, ob da vielleicht etwas im Auge ist. Denn wenn es wirklich der Prozessionsspinner ist, dann werden die Beschwerden ohne Behandlung nicht abklingen. (red)