Augen, Nase und Ohren

Mittelohrentzündung: Antibiotika nicht immer nötig

Kranke Säuglinge und Kleinkinder sind für die Eltern eine große Sorge. Doch nicht immer muss man harte Medikamente einsetzen. Sonst drohen Resistenzen.

19.02.2020
Die stechenden Ohrenschmerzen sind für die Kleinen nur schwer auszuhalten.   Foto: Fotolia / athomass Die stechenden Ohrenschmerzen sind für die Kleinen nur schwer auszuhalten. Foto: Fotolia / athomass

Die akute Mittelohrentzündung ist eine der häufigsten Erkrankungen bei Babys und Kleinkindern. Jedes Jahr werden etwa 30 von 100 Kindern unter drei Jahren wegen dieser Erkrankung ärztlich untersucht. Diese kann zwar stark schmerzhaft sein, ist aber nicht unbedingt gefährlich und heilt meist innerhalb von zwei bis drei Tagen von selbst wieder aus. Häufig genügt es, die Schmerzen zu lindern. Häufig werden jedoch Antibiotika verschrieben, was in vielen Fällen nicht nötig ist.

Anzeichen richtig deuten

Die akute Mittelohrentzündung tritt meist in Zusammenhang mit einer Erkältung, Halsentzündung oder Grippe auf. Besonders betroffen sind Babys und Kleinkinder, da die Verbindung zwischen Rachenraum und Mittelohr bei ihnen noch sehr kurz ist. Viren oder Bakterien führen zu Schwellungen im Rachenraum. Dadurch schwillt auch die Schleimhaut der Ohrtrompete und des Mittelohres an. Sekret staut sich, was sich durch Schmerzen und Hörminderung bemerkbar machen kann. Vor allem kleine Kinder können ihre Schmerzen noch nicht richtig zuordnen. Sie klagen über Bauchweh, obwohl ihnen die Ohren wehtun, oder schütteln den Kopf und reiben die Ohren. Nach dem siebten Lebensjahr sind Mittelohrentzündungen seltener, weil sich die Ohrtrompete und das Immunsystem weiterentwickelt haben.

Zum Arzt gehen

Frühzeitig zum Arzt gehen sollten Eltern allerdings immer mit Säuglingen bis zum Alter von sechs Monaten. Ein Arztbesuch ist auch ratsam, wenn das Kind hohes Fieber (ab 39 Grad Celsius) und ein starkes Krankheitsgefühl hat, das Immunsystem geschwächt ist oder wiederholt Mittelohrentzündungen aufgetreten sind bzw. das Ohr bereits operiert wurde.
Bei der körperlichen Untersuchung führt der Kinderarzt unter anderem eine Ohrenspiegelung durch, um das Trommelfell von außen zu beurteilen. Gemeinsam lässt sich dann besprechen, welche Form der Behandlung angebracht ist. Die schnelle Linderung der Ohrenschmerzen steht dabei im Mittelpunkt.
Bessern sich die Beschwerden trotz Behandlung nicht oder treten Probleme wie Hörstörungen auf, ist ein erneuter Arztbesuch ratsam. Bei Fieber können Wadenwickel helfen. Dabei sollten Eltern jedoch darauf achten, dass die in Wasser getränkten und ausgewrungenen Wickel nur etwas kühler als die Körpertemperatur sind. Die Wickel kann man bis zu drei Mal erneuern, das Kind sollte dabei zugedeckt bleiben.

Auf Hörstörungen achten

Kindern schon beim Verdacht auf eine Mittelohrentzündung ein Antibiotikum zu geben, halten viele Mediziner und Wissenschaftler für problematisch. Dennoch gibt es eindeutige Empfehlungen für deren Einsatz wie zum Beispiel für Säuglinge unter sechs Monaten, bei eitrigem Ausfluss aus dem Ohr oder einer Entzündung beider Ohren bei Kindern unter zwei Jahren. Das Problem: Durch den häufigen Gebrauch dieser Medikamente lässt ihre Wirksamkeit nach, da die Bakterien dagegen resistent werden.
Sind Antibiotika verordnet, dann sollten sie für den vom Arzt vorgesehenen Zeitraum eingenommen werden. Manchmal verbleibt nach einer akuten Mittelohrentzündung auch Flüssigkeit im Mittelohr, ein sogenannter Paukenerguss entsteht. Er kann zu Hörstörungen und einer verzögerten Sprachentwicklung führen.
Komplikationen wie diese sind zwar selten, dennoch sollten Eltern das Hörvermögen ihrer Kinder nach der Erkrankung beobachten. (red)