Augen, Nase und Ohren

Lymphangiogenese bedroht neue Hornhaut

Wenn Gefäße in der Netzhaut wuchern, droht die Erblindung. Transplantate reagieren darauf mit Abstoßung. Was man im Vorfeld dagegen tun kann.

25.11.2020
Augen-Operationen verlangen Präzisionsarbeit.  Foto: Fotolia/Michaelvaulin Augen-Operationen verlangen Präzisionsarbeit. Foto: Fotolia/Michaelvaulin

Lymphgefäße ermöglichen bestimmten Zellen den Transport von Antigenen zur nächstgelegenen Lymphknotenstation – ein erster entscheidender Schritt auf dem Weg zur Transplantatabstoßung. Denn wachsen sie im Auge, ist auch ein Hornhauttransplantat gefährdet.
Dieser physiologische Prozess des neuen Gefäßwachstums, der bei der Wundheilung einsetzt, setzt eine Immunantwort in Gang, die letztendlich das gerade eingesetzte Transplantat zerstören kann. Auf der anderen Seite kann die Wunde, die beim Einsetzen eines Transplantats entsteht, nur mithilfe dieser neuen Gefäße heilen. Die Ergebnisse verschiedener Forschungsgruppen belegen, dass die Lymphangiogenese, die über die Wundheilung hinausgeht, mit einer Abstoßung von Fremdgewebe einhergeht.

Risiko Abstoßung

Das Auge hat im Bereich der Hornhaut keine Gefäße (avaskulär). Bleibt das auch nach einer Transplantation so, liegt die Wahrscheinlichkeit einer Abstoßungsreaktion bei unter 10 Prozent. Durch das Vorhandensein von Gefäßen steigt das Risiko einer Gewebeabstoßung auf 50 bis sogar 100 Prozent. Wissenschaftler wollten wissen, ob eher das Wachstum der Blutgefäße oder das von Lymphgefäßen schuld daran ist. Dafür hat die Forschergruppe ein Hornhautmodell von Mäusen untersucht.
Die Spenderhornhäute wurden entweder in ein Empfängerbett mit Entzündung, aber ohne Blut- und Lymphgefäße, ein nicht-entzündliches avaskuläres, ein mit Blutgefäßen vaskularisiertes oder ein mit Blut- und Lymphgefäßen vaskularisiertes Empfängerbett transplantiert. Zuvor wurde die Lymphangiogenese gezielt mit Molekülen gehemmt. Anschließend wurde das Transplantatüberleben der verschiedenen Gruppen miteinander verglichen.

Abwehrkette hemmen

Das Ergebnis: Wenn man den VEGF-Rezeptor 3 mit Integrin alpha-5-Antagonisten blockiert, konnte man zielgerichtet die Lymphangiogenese hemmen. Diese spielt bei der Transplantatabstoßung eine größere Rolle als die Angiogenese. Denn das mit Blutgefäßen zuvor vaskularisierte Empfängerbett und das avaskuläre Empfängerbett schnitten hinsichtlich des Transplantatüberlebens ähnlich gut ab. Das größere Problem bei der Akzeptanz des Fremdgewebes sind also die Lymphgefäße.
Hornhäute von Mäusen, die in ein Empfängerbett mit bereits vorhandenen Lymphgefäßen transplantiert wurden, zeigten im Vergleich zu den beiden zuvor genannten Gruppen ein signifikant niedrigeres Transplantatüberleben. Eine Hemmung der Lymphangiogenese mit Anti-Integrin-alpha-5-Molekülen könnte also Abhilfe schaffen. (red)