Augen, Nase und Ohren

Kontaktlinsen gegen Kurzsichtigkeit

Smartphone, Computer und Co gehören für Kinder heute zum Alltag. Das viele Nahsehen fördert jedoch die Kurzsichtigkeit. Spezielle Kontaktlinsen können den Sehfehler bremsen.

11.11.2019
Eltern sollten den Technik-Konsum einschränken.  Foto: Fotolia / Syda Productions Eltern sollten den Technik-Konsum einschränken. Foto: Fotolia / Syda Productions

„Bis zum Alter von etwa acht Jahren sind die meisten Kinder tendenziell weitsichtig“, berichtet Dr. Oliver Hoppe, Leiter des Ressorts Kontaktlinsen im Berufsverband der Augenärzte Deutschlands (BVA). Das war zumindest bisher die Regel. Doch die Sehgewohnheiten der Kinder haben sich geändert: Naharbeit – darunter verstehen Augenärzte das andauernde Schauen auf Objekte in einem Abstand von 30 cm oder weniger – nimmt weiter zu.

Augapfel wird länger

Auch und gerade Kinder erliegen der Faszination von Smartphones, Tablets und Computern und beschäftigen sich gerne ausdauernd damit. Diese Naharbeit fördere die Entstehung der Kurzsichtigkeit, warnt Dr. Hoppe. Über komplexe Mechanismen fördert sie das Wachstum des Augapfels: Wenn das Auge sich ständig auf Objekte in naher Entfernung fokussiert, dann entsteht in den Randbereichen der Netzhaut ein unscharfes Bild. Dies wiederum scheint Faktoren zu aktivieren, die das Längenwachstum des Auges anregen. Ein „zu langer“ Augapfel ist aber kurzsichtig. Dann brauchen die Kinder nicht nur für das Sehen in der Ferne eine Sehhilfe, sondern bei starker Kurzsichtigkeit steigt auch das Risiko für Folgeerkrankungen im Erwachsenenalter.

Vorbeugen mit Kontaktlinsen

„Kontaktlinsen mit einer besonderen Geometrie, die nachts getragen werden, können die Hornhaut so formen, dass die Wirkung auch am Tag anhält“, erläutert Hoppe. Diese sogenannten orthokeratologischen Kontaktlinsen sorgen dafür, dass die Hornhaut des Auges am Rand eine stärkere Krümmung erhält, sodass auch das äußere, periphere Netzhautbild scharf gestellt wird. „Die Wirkung der orthokeratologischen Kontaktlinsen ist bis -4 Dioptrien als realistisch zu sehen. Eine geringe Hornhautverkrümmung bis etwa 0,75 Dioptrien kann eventuell mit korrigiert werden. Höhere Werte werden oft nicht vollständig ausgeglichen“, erläutert der Experte.

Auch Taglinsen möglich

Wenn ein Kind die nachts getragenen Linsen nicht verträgt oder sich dagegen wehrt, kann man denselben Effekt mit über den Tag zu tragenden Linsen simulieren.
Allerdings erfordert die Therapie eine sorgfältige, fachkundige Begleitung. Wichtig ist es auch, dass die Augen regelmäßig vom Facharzt untersucht werden.
Zur Vorbeugung empfiehlt Dr. Hoppe viel Spiel im Freien und begrenzte Zeiten an Computer und Smartphone. (red)