Augen, Nase und Ohren

Hornhautwölbungen früher erkennen

Wer schon in jungen Jahren trotz Brille immer schlechter sieht, könnte an einem Keratokonus leiden. Nur rechtzeitiges Handeln kann die Erkrankung stoppen. Doch sie wird oft zu spät entdeckt.

01.04.2020
Mit normalen Untersuchungsmethoden ist ein Keratokonus selbst vom Augenarzt leider nicht zu erkennen.	Foto: Fotolia/georgerudy Mit normalen Untersuchungsmethoden ist ein Keratokonus selbst vom Augenarzt leider nicht zu erkennen. Foto: Fotolia/georgerudy

Die Hornhaut (Cornea) ist unser Fenster zur Welt. Die glasklare Schicht des Auges liegt gleich hinter dem Tränenfilm. Ihre Aufgabe ist es, das Auge vor äußeren Einflüssen zu schützen und das einfallende Licht so zu brechen, dass es gebündelt durch Pupille und Augenlinse hindurch auf der Netzhaut ankommt. Dort verwandeln die Sehzellen die Informationen in ein Bild, das vom Gehirn ausgewertet wird. Dieser Prozess verläuft automatisch und millionenfach am Tag in Bruchteilen von Sekunden – eine unglaubliche Leistung unserer Augen!

Fatale Verwechslung

Etwa 75 Prozent der Lichtbrechung findet also in der Hornhaut statt, lediglich 25 Prozent in der Augenlinse. Deshalb erscheint die Sicht verschwommen, wenn die Hornhaut nicht intakt ist. Das ist zum Beispiel bei der Hornhautkrümmung oder „Stabsichtigkeit“ (Astigmatismus) der Fall. Die normalerweise vorne kugelförmig gerundete Hornhaut ist dann oval und hat eine Delle. Dadurch kann sie das Licht nicht mehr korrekt brechen. Vielmehr entstehen zwei stäbchenähnliche Brennlinien. Die Bilder erscheinen dann unscharf.
Es gibt aber auch eine Hornhauterkrankung mit ähnlichen Symptomen, die sehr viel seltener ist und deshalb leider zu spät erkannt wird: der Keratokonus. Hierbei wird die Hornhaut schon in jungen Jahren zunehmend dünner und wölbt sich wie beim Astigmatismus nach vorn.
Die Ursache hierfür liegt meist in den Genen. Die Augenerkrankung kann aber auch erst in späteren Jahren auftreten, etwa durch Verletzungen, Vernarbungen oder Entzündungen des Auges. Ein weiterer Risikofaktor ist häufiges Augenreiben. Allergiker, Neurodermitiker und Menschen mit unbehandelten „Trockenen Augen“ sind deshalb besonders häufig betroffen.

Schwierige Diagnose

Während man eine normale Hornhautkrümmung meist mit Brille, Kontaktlinsen oder Laser korrigieren kann, ist die Therapie des Keratokonus etwas komplizierter. Vor allem dann, wenn die Erkrankung nicht früh genug erkannt und behandelt wird. „Nur durch eine gründliche Untersuchung der Hornhautstruktur mit einer Pentacam HD kann man die typischen Wölbungen im Frühstadium erkennen und behandeln“ sagt Dr. Detlev Breyer Spezialist für Augenchirurgie von Premium Eyes Augenlasern in Düsseldorf. „Mit der sogenannten Belin Ambrosio Untersuchung kann man auch herausfinden, ob man später einen Keratokonus bekommen könnte. In diesem Fall sollte man seine Augen nicht lasern lassen.“
Das Problem: Das Gerät für diese dreidimensionale Untersuchungsmethode, die Pentacam, gibt es meist nur beim Laser-Spezialisten. Und auch dann braucht man viel Erfahrung, um die Daten korrekt auswerten zu können.
Erst im Spätstadium zeigen sich an der Hornhaut Veränderungen, sogenannte Fleischer’sche Ringe und Vogtlinien, die auch ein Augenarzt mit herkömmlicher Diagnostik sehen kann.

Typische Symptome

Deshalb bleibt den Betroffenen nur die Möglichkeit, selbst aktiv zu werden. Meist bildet sich der Keratokonus bereits im Teenageralter aus. Deshalb sollten auch Eltern ein Auge darauf haben.
Schreitet die Erkrankung schnell voran (20 Prozent der Fälle), muss die Sehstärke immer wieder angepasst werden. Ein häufiger Brillenwechsel kann deshalb ein erster Warnhinweis sein. Die Sehstörung macht sich zunächst nur auf einem Auge bemerkbar, zeitversetzt dann auch auf dem zweiten.
Typisch für einen Keratokonus sind starke Schwankungen der Sehschärfe – ähnlich einem irregulären Astigmatismus – und das Sehen von Leuchtquellen oder -ringen. Auch eine erhöhte Lichtempfindlichkeit gehört zu den Symptomen.

Die beste Therapie

„Im Frühstadium wird bei fortschreitendem Keratokonus das Cross-Linking-Verfahren angewendet“, erklärt Dr. Breyer. Danach kann man mit harten Keratokonus-Spezial-Linsen das Sehen verbessern. Erst wenn auch diese Therapie nicht den gewünschten Erfolg bringt, kann man im Rahmen einer OP Intracorneale Ringsegmente oder eine Kontaktlinse ins Auge einsetzen.
Ziel ist es, eine Transplantation zu vermeiden. Denn eine Spenderhornhaut hält nur ca. zehn Jahre. Und man kann diesen Vorgang nicht beliebig oft wiederholen. Ist die Hornhaut jedoch häufig gerissen und kam es dadurch zu Hornhautödemen, ist das Gewebe zu sehr vernarbt, sodass man um diesen letzten Schritt nicht herumkommt. (bibi)