Augen, Nase und Ohren

Hörverlust ist individuell

Hören ist so verschieden, wie es die Menschen sind. Deswegen ist auch ein Hörverlust immer individuell. Unterschiedliche Frequenzen gehen in verschiedener Stärke verloren. Warum es so wichtig ist, rechtzeitig zu handeln.

21.10.2019
Frauen gehen tendenziell schneller zum Hörakustiker als Männer. Dabei sind diese häufiger vom Hörverlust betroffen.  Foto: Fotolia/Kzenon Frauen gehen tendenziell schneller zum Hörakustiker als Männer. Dabei sind diese häufiger vom Hörverlust betroffen. Foto: Fotolia/Kzenon

Ein Hörverlust entwickelt sich meistens langsam, schränkt aber schnell das Verstehen ein. Deswegen raten Experten zu regelmäßigen Hörtests, einmal im Jahr, auch in jungem Alter.
Meistens sind es zuerst die hohen Töne, die verloren gehen. Nicht selten beschreiben Hörgeminderte das Phänomen, dass sie eigentlich noch gut hören, aber es mit dem Verstehen nicht mehr so klappt. Denn Hören heißt nicht gleich verstehen. Wenn auch „nur“ einzelne Bereiche fehlen, einzelne Frequenzen, erschwert das bereits das Hörverstehen. Oft kann man Gesprächen nicht mehr folgen. Schon gar nicht, wenn man in einer Gruppe zusammensitzt oder in einer lauten Umgebung, beispielsweise in der Kneipe oder im Restaurant. Denn fehlen nur einzelne Bereiche, werden Wörter schon nicht mehr komplett verstanden und das Gehirn muss interpretieren. War es Eis oder Ei? Fisch oder Tisch?

Die Sprachbanane verstehen

Mit den ersten Frequenzen gehen bereits bestimmte Laute und Buchstaben verloren. Das erklärt die sogenannte Sprachbanane. Jemand, der gut hört, kann die dort dargestellten Buchstaben alle ohne Schwierigkeiten verstehen, ganz gleich, wie laut die Umgebungsgeräusche sind: am Telefon, beim Fernsehen, im Café, im Konzert, auf der Straße, im Restaurant oder am Bahnhof, wo die Akustik meist sehr schlecht ist. Menschen mit Hörminderungen hingegen können je nach Grad der Minderung nicht mehr alle Buchstaben wahrnehmen. Sie hören einen Teil der Sprache nur noch verzerrt, manchmal kaum bis gar nicht mehr. Das Gehirn, wo das eigentliche Verstehen stattfindet, muss ergänzen und leistet so doppelte Arbeit.

Hörverlust frühzeitig versorgen

Doch schlecht hören, ist nicht nur eine Frage der Lautstärke. Schon bei leichten Hörminderungen gehen einzelne Sprachlaute verloren, vor allem im Bereich der hohen Frequenzen. So wird aus dem Wort „E-i-s“ nur noch „E-i“ herausgehört. Der Verlust der Information wird im Kopf je nach Kontext ergänzt: Aus „…-o-s-e“ wird je nach Situation „R-o-s-e“ oder „D-o-s-e“.
Je länger jemand nicht mehr gut hört, desto mehr verlernt er, die fehlenden Sprachlaute zu erkennen und zu ergänzen. In der Folge nimmt sein Hörverstehen mehr und mehr ab. Zu Beginn einer Hörminderung sind es meistens „nur“ die Konsonanten, bald aber auch Vokale. Gelingt es dem Gehirn nicht mehr, die „unvollständigen“ Worte zu ergänzen, sind beispielsweise Gespräche fast nicht mehr möglich und wenn, sehr anstrengend. Der Betroffene gerät an seine Grenzen und reagiert oft mit Rückzug aus dem sozialen Leben.
Ein Hörverlust kann in jedem Alter auftreten. Der Hörakustiker hilft mit Tests, die Ausprägung der Hörminderung festzustellen. Ist ein Hörsystem notwendig, sucht er gemeinsam mit dem Betroffenen das richtige aus und passt es an dessen persönliche Wünsche und Bedürfnisse an. Anhand der Sprachbanane sieht er, welche Töne von dem Hörverlust betroffen sind.
Der Hörakustiker kann ganz gezielt das individuell beste Hörsystem empfehlen und anpassen.

Folgen des Hörverlusts

Wer schlecht hört, verliert Lebensqualität. Dabei reagiert jeder anders: Viele Menschen, die nicht mehr gut hören, berichten von sozialen, psychischen oder auch körperlichen Problemen. Schwerhörigkeit grenzt aus, weil man die anderen nicht mehr gut oder gar nicht mehr versteht. Man ist verlegen, unsicher. Einige reagieren wiederum gereizt, weil sie das Gefühl haben, die anderen reden absichtlich leise oder undeutlich. Der Körper reagiert ebenfalls auf Schwerhörigkeit – mit Kopfschmerzen, Muskelschmerzen, Stress oder erhöhtem Blutdruck. Denn mit einer Hörminderung wird das Hören extrem anstrengend und stresst, den kompletten Tag lang, immer. Wer nicht mehr gut hört und nichts dagegen unternimmt, büßt entsprechend seiner Schwerhörigkeit ein Stück Lebensqualität ein. Ein guter Grund, bei den ersten Anzeichen aufmerksam zu werden und das Gehör zu testen.
Krankheiten können geheilt werden. Die irreversiblen Verluste der Haarsinneszellen gleichen Hörakustiker mit Hörsystemen aus. Und selbst wenn der Hörnerv beschädigt ist, gibt es Hilfe mit den so genannten Cochlea Implantaten. Hörakustiker helfen dabei festzustellen, wie gut die Ohren funktionieren und bei der Suche nach der individuell besten Lösung, wenn das Hörvermögen nachlässt. (Dr. Juliane Schwoch/biha)