Augen, Nase und Ohren

Blind durch chronische Konjunktivitis?

Klimawandel und Luftverschmutzung bescheren vor allem Allergikern Augenleiden. Chronische Formen der Bindehautentzündung können sogar zur Erblindung führen.

20.07.2020
Foto: Fotolia/phoenix021

Die allergische Rhinokonjunktivitis tritt – je nach Allergen – saisonal oder auch ganzjährig auf. Meist sind Pflanzenpollen die Auslöser. Doch auch Schimmelsporen, Hausstaubmilben oder Tierschuppen können in der Bindehaut allergische Reaktionen hervorrufen.
Neben diesen akuten gibt es auch chronische Verlaufsformen: Die atopische Keratokonjunktivitis, den Frühlingskatarrh (Konjunktivitis vernalis), die Riesenpapillenkonjunktivitis und die kontaktallergische Konjunktivitis. „Insbesondere bei der atopischen Keratokonjunktivitis und dem Frühlingskatarrh kann die Hornhaut in Mitleidenschaft gezogen werden, was zu einer dauerhaften Beeinträchtigung des Sehvermögens führt“, warnt Prof. Dr. Philip Maier, Oberarzt und Leiter der Lions Hornhautbank BW der Universitätsaugenklinik Freiburg, in der digitalen Pressemappe zur Augenärztlichen Akademie Deutschland 2020, die wegen der Corona-Pandemie abgesagt werden musste.

Ursachen und Symptome ernst nehmen

Schätzungen zufolge leiden in Europa bis zu 50 Prozent der Menschen an einer Form der allergischen Konjunktivitis. In den vergangenen Jahrzehnten wurde eine Zunahme der Erkrankungszahlen beobachtet. Als mögliche Ursache gelten die zunehmende Luftverschmutzung, aber auch die Verbreitung des beifußblättrigen Traubenkrauts (Ambrosia) in Europa. Rund 90 Prozent der Betroffenen leiden an einer saisonalen allergischen Konjunktivitis. Sie klagen über juckende, brennende Augen und einen vermehrten Tränenfluss. Diese akuten Symptome treten schon 15 bis 20 Minuten nach dem Kontakt mit dem Allergen auf. Bis zu 24 Stunden ist die Spätphasenreaktion zu beobachten: Der Juckreiz und der Tränenfluss halten an, die Bindehaut ist gerötet, Fremdkörpergefühl, Lichtscheu und geschwollene Lider treten auf, was zu einer deutlichen Abnahme der Sehqualität führen kann.

Besonders gefährlich: die atopische Keratokonjunktivitis

Während die akute allergische Konjunktivitis in der Regel gut behandelbar ist, sind chronische Formen wie der atopische Keratokonjunktivitis sehr viel schwieriger. „Dabei können die Haut im Umfeld der Augen, die Augenlider, die Bindehaut und sogar die Hornhaut entzündet sein“, so Prof. Maier. „Die Entzündungen der Lider und Lidränder können zu Fehlstellungen führen, die zusätzlich Schäden an der Hornhaut verursachen.“ Eine konsequente Lidrandpflege gegebenenfalls ergänzt mit immunmodulatorischen Hautcremes hilft, Entzündungen und Vernarbungen der Lider zu vermeiden.
In schweren Fällen sind auch chirurgische Eingriffe an den Augenlidern bis hin zur Hornhauttransplantation notwendig, um das Augenlicht des Patienten zu erhalten. (red)