Alters- und Palliativmedizin

Offene Beine? Amputation verhindern

Chronische Wunden sind oft das Ergebnis eines Gefäßschadens. Der kann böse Folgen haben. Experten fordern eine bessere Früherkennung und Versorgung.

03.02.2020
Durch regelmäßige Check-ups beim Podologen kann man Wunden schneller entdecken.   Foto: Fotolia / Alexander Raths Durch regelmäßige Check-ups beim Podologen kann man Wunden schneller entdecken. Foto: Fotolia / Alexander Raths

Durchblutungsstörungen in Venen und Arterien sind die häufigste Ursache von chronischen Wunden an den Beinen. Eine gezielte Behandlung kann die Abheilung beschleunigen und eine Amputation verhindern. Dennoch wird in Deutschland zu häufig auf eine Gefäßdiagnostik verzichtet, kritisiert die Deutsche Gesellschaft für Gefäßchirurgie und Gefäßmedizin (DGG) anlässlich ihrer 35. Jahrestagung in Mannheim. Patienten mit offenen Beinwunden, die innerhalb von drei Monaten nicht abgeheilt sind, sollten deshalb einen Gefäßchirurgen aufsuchen, rieten DGG-Experten auf einer Pressekonferenz am 17. Oktober in Mannheim.

Ursache Gefäßerkrankung

Sogenannte offene Beine sind in Deutschland eine Volkskrankheit. Schätzungsweise 800.000 Menschen leiden unter einem Ulcus cruris. Auslöser sind meist Durchblutungsstörungen in Venen oder Arterien. „Insgesamt lassen sich vier von fünf offenen Beinen auf Erkrankungen der Blutgefäße zurückführen“, sagt Dr. med. Holger Diener vom Herz- und Gefäßzentrum des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf. Für den Leiter der Kommission Wundmanagement bei der DGG sollte deshalb vor Beginn der Behandlung immer eine Untersuchung der Blutgefäße erfolgen. Doch diese Gefäßdiagnostik wird in Deutschland häufig nicht durchgeführt.

Blutdruck messen

So geht aus den Statistiken der Krankenkassen hervor, dass in den drei Monaten vor und nach dem Aufbrechen der Wunde nur bei einem Viertel der Patienten wenigstens eine gefäßdiagnostische Maßnahme abgerechnet wird. Häufig beschränken sich die Hausärzte auf die Bestimmung des Knöchel-Arm-Index: Ist der Blutdruck in den Beinen niedriger als im Arm, weist dies auf eine Durchblutungsstörung hin.
„Auf eine erweiterte Diagnostik mit Ultraschall oder Kontrastmitteln wird jedoch häufig verzichtet“, kritisiert Diener. Dabei steigen mit Duplexsonografie und Angiografie, die eine gezielte Therapie ermöglichen, die Chancen auf Wundheilung. „Wie eine Untersuchung zeigt, kommt es um 30 Prozent häufiger und schneller zur Abheilung der offenen Beine, wenn eine Gefäßdiagnostik erfolgt“, sagt der Experte.
Selbst bei einer nachgewiesenen arteriellen Verschlusskrankheit würden nur etwa 70 Prozent behandelt.

Diabetiker besonders gefährdet

Bei Menschen mit Diabetes, die an einer Wunde am Fuß und unter Durchblutungsstörungen leiden, liegt der Anteil bei unter 20 Prozent. Dabei sei das Risiko von Amputationen bei Diabetespatienten besonders hoch. Auch Patienten mit Venenerkrankungen – die Ärzte sprechen von einer chronisch-venösen Insuffizienz (CVI) – erhalten nur selten die notwendige Behandlung. Das müsse sich ändern, fordern alle Experten der DGG. (red)