Alters- und Palliativmedizin

Neue Ansätze gegen Alzheimer

Etwa 60 Prozent der Demenz-Patienten haben Alzheimer. Gegen die Krankheit scheint kein Kraut zu wachsen. Doch es gibt Grund zur Hoffnung.

04.12.2019
Erinnerung kann man trainieren  –  bis zum Schluss.   Foto: Fotolia / js-photo Erinnerung kann man trainieren – bis zum Schluss. Foto: Fotolia / js-photo

Für fast alle Krankheiten gibt es heute eine passende Therapie. Nicht für Alzheimer. Hat der Prozess des geistigen Abbaus einmal begonnen, ist er nicht mehr zu stoppen – so scheint es zumindest. Denn ein kaputtes Kniegelenk kann man austauschen, ein krankes Gehirn nicht. Und so gleiten Betroffene über Jahre hinweg stetig, aber sicher in die Welt des Vergessens. Mit den Nervenzellen des zentralen Nervensystems gehen Erinnerungen, Alltagskompetenzen, die Gesichter von Freunden und Familienangehörigen und schließlich auch die eigene Persönlichkeit verloren.

Ein Bündel an Ursachen

Warum das so ist, darauf gibt es noch keine eindeutige Antwort. Fest steht nur, dass alle Betroffenen unauflösliche Eiweiß-Ablagerungen im Gehirn haben, sogenannte amyloide Plaques. Diese entstehen offenbar durch die Mitwirkung eines Enzyms, das die schädlichen Eiweiße erst entstehen lässt.
Doch auch andere Risikofaktoren, wie etwa Bluthochdruck, Schlafstörungen und eine erbliche Veranlagung, werden mit der Demenzerkrankung in Verbindung gebracht. Umgekehrt haben brasilianische Forscher kürzlich herausgefunden, dass bei körperlicher Bewegung der Botenstoff Irisin gegen Alzheimer ausgeschüttet wird.

Antikörper und Ultraschall

Trotz weltweiter Forschungsbemühungen ist eine Heilung noch nicht in Sicht. Doch es gibt Hoffnung. So gelang es Göttinger Forschern unlängst im Tiermodell, die Bildung der Eiweißverklumpungen in den Nervenzellen des Gehirns zu verhindern. Mit einer Impfung von Antikörpern. Die Anwendung beim Menschen wird derzeit noch untersucht.
Ebenfalls im Tiermodell erfolgreich erprobten Wissenschaftler des Queensland Brain Institute (QBI) die Behandlung mit Ultraschallwellen. Diese öffnet zeitweise die Blut-Hirn-Schranke, die normalerweise Gifte und Krankheitserreger von unserer wichtigen Schaltzentrale abschirmt. Dies setzt einen Prozess in Gang, der die amyloiden Plaques im Gehirn aufbricht und beseitigt.

Medikament in Aussicht?

Grund zur Hoffnung gibt auch der Biotechkonzern Biogen. Er stellt im kommenden Jahr einen Zulassungsantrag für den Alzheimer-Wirkstoff Aducanumab bei der US-Arzneimittelbehörde Food and Drug Administration (FDA). Dieser kann in höherer Dosierung als anfangs gedacht den Verlust von Gedächtnisleistung, Orientierung und Sprachvermögen verlangsamen. Weitere Daten aus klinischen Versuchen seien jedoch nötig, sagt Prof. Dr. Sascha Weggen von der Universität Düsseldorf. (red)