Allgemeine Medizin

Schwere Verläufe schneller erkennen

Wer mit dem Virus SARS-CoV-2 infiziert ist, muss in Quarantäne. Eine neue Studie will prüfen, wie man Infizierte daheim besser überwachen kann, um bei einer Verschlechterung der Lage schneller handeln zu können.

06.07.2020
Durch Ohrsensoren sollen in einer Studie Biowerte von Covid-19-Patienten überwacht werden.  Foto: Andreas Heddergott / TU Munchen Durch Ohrsensoren sollen in einer Studie Biowerte von Covid-19-Patienten überwacht werden. Foto: Andreas Heddergott / TU Munchen
Dr. med. Tanja Schlereth

Priv.-Doz. Dr. med. Tanja Schlereth
Oberärztin Neurologie
DKD Helios Klinik
Wiesbaden



Kommt es im Zuge einer Erkrankung mit dem neuartigen Coronavirus SARS-CoV-2 zu einem schweren Verlauf, ist schnelles Handeln gefragt. Sonst drohen ernste Komplikationen. „Hier kommt es darauf an, dass Patientinnen und Patienten rechtzeitig in Kliniken behandelt werden. Je früher sie medizinisch gut versorgt werden, desto besser ist die Prognose“, erläutert Prof. Georg Schmidt, Leiter der Arbeitsgruppe Biosignalverarbeitung am Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München (TUM). Ein Hightech-Sensor im Ohr soll eine Verschlechterung einer Covid-19-Erkrankung frühzeitig erkennen und so die Überlebenschancen der Betroffenen verbessern, so Schmidts Hoffnung. Das soll nun in einer Studie geprüft werden.

Genaue Biodaten

Mit Hightech-Sensoren, die man wie Hörgeräte im Ohr trägt, sollen Körpertemperatur und Sauerstoffsättigung des Blutes, Atemfrequenz und Puls gemessen werden. Zudem wird mehrmals täglich ein sogenannter Polyscore bestimmt, der Auskunft darüber gibt, wie gut der Körper die Auswirkungen der Erkrankung kompensieren kann. „Die Geräte messen alle Werte, die wir brauchen, und schickt sie über eine Bluetooth-Funkverbindung an einen kleinen Computer, der sie dann datenschutzkonform zur Auswertung an unsere Zentrale weiterleitet“, sagt Georg Schmidt. „Wir haben uns für Ohrsensoren und gegen Ansätze wie Smartwatches entschieden, weil im Ohr das gemessene Signal besonders stabil und dementsprechend aussagekräftig ist. Aus einer Studie die wir vor einigen Monaten zu einem anderen Thema gestartet haben, wissen wir außerdem, dass gerade ältere Menschen die Geräte komfortabel tragen können.“

Sicherheit für Alleinlebende

Unter Supervision eines Arztes überwacht ein Team von speziell trainierten Medizinstudierenden am Klinikum rechts der Isar in einer „Einsatzzentrale“ rund um die Uhr die gemessenen Daten und meldet die Patienten bei Verschlechterung nach vordefinierten Regeln direkt an den Rettungsdienst. Betroffenen können so ohne Verzögerung ins Krankenhaus transportiert werden. „Ich hoffe, dass das Forschungsvorhaben eine zusätzliche Sicherheit für die Studienteilnehmer der älteren Generation bieten kann, die mit einer Covid-19-Erkrankung und mit leichten Symptomen zu Hause bleiben und nicht im Krankenhaus behandelt werden müssen“, hofft auch Gesundheitsreferentin Stephanie Jacobs. (red)