Allgemeine Medizin

Drehschwindel: Vitamin D und Kalzium!

Die Ursachen von Schwindel sind nicht immer leicht zu diagnostizieren. Doch bei gutartigem Lagerungsschwindel Könnte ein Vitamin- und ein Mineralstoffmangel bei der Therapie helfen.

03.01.2021
 Foto: AdobeStock/Volker Wierzba Foto: AdobeStock/Volker Wierzba
Dr. med. Tanja Schlereth

Priv.-Doz. Dr. med. Tanja Schlereth
Oberärztin Neurologie
DKD Helios Klinik
Wiesbaden



In Schwindel-Spezialsprechstunden diagnostizieren Ärzte in jedem fünften Fall einen benignen (gutartigen) peripheren paroxysmalen Lagerungsschwindel (BPPV).
Typisch sind plötzlicher und anfallsartiger, starker Drehschwindel, der durch Kopflageänderungen ausgelöst wird, meist beim morgendlichen Aufrichten an die Bettkante, beim Bücken oder Hinlegen. Hält man den Kopf ruhig, klingt die Attacke ab, wird aber bei erneuter Bewegung sofort wieder ausgelöst.
Für die Patienten ist der Alltag durch die Übelkeit und einen unsicheren Gang stark belastet. Zwar ist der Lagerungsschwindel in 70 Prozent der Fälle nach wenigen Tagen oder Wochen auch ohne Behandlung wieder weg. Doch kommt es innerhalb von zehn Jahren in der Hälfte der Fälle zu Rezidiven. 80 Prozent davon bereits innerhalb eines Jahres.
Als Hauptursache gilt eine Loslösung der „Ohrsteinchen“ (Otokonien). Dadurch gelangen sie in die Bogengänge des Innenohrs und aktivieren dort fälschlicherweise die Gleichgewichts-Sinneszellen. Das Gehirn registriert dadurch eine Drehbewegung, obwohl sich der Körper in Ruhe befindet.
Wie eine aktuelle Multicenterstudie aus Korea zeigt, könnten Drehschwindelattacken womöglich auch im Zusammenhang mit einem Vitamin-D-Mangel stehen. Denn die Studienergebnisse weisen darauf hin, dass die zusätzliche Einnahme von Vitamin D dazu beiträgt, die Häufigkeit der Schwindelattacken zu reduzieren. Sie könnte somit eine effektive Prophylaxe sein. Auch eine Kalzium-Supplementierung könnte die Attacken zurückdrängen.
Patienten, deren Vitamin-D-Blutspiegel <20 ng/ml lag und die ein Jahr lang täglich Vitamin D (800 I.U.) und Kalzium (1000 mg) bekamen, hatten ein mit 37,8 Prozent deutlich niedrigeres Rückfallrisiko als die Kontrollgruppe ohne Vitamin-D-Gabe (46,7 Prozent). Ein Vitamin-D-Mangel ist in Deutschland nicht selten, daher ist es insbesondere bei BPPV-Patienten mit häufigen Rezidiven oder nach unzureichendem Erfolg der Befreiungsmanöver sinnvoll, die Vitamin-D-Blutspiegel zu untersuchen und bei erniedrigten oder grenzwertigen Spiegeln eine Supplementierung zu beginnen. (red)