Allgemeine Medizin

Das Chamäleon der Gastroenterologie

Nur selten lässt sich die Zöliakie eindeutig diagnostizieren. Das Krankheitsbild ist uneinheitlich - deshalb wird sie auch als „Chamäleon der Gastroenterologie“ bezeichnet. Die aktuelle Leitlinie hilft, schnellere Diagnosen zu stellen.

07.03.2022

Bauchschmerzen, ein Bläh- und Völlegefühl, chronischer Durchfall, Übelkeit oder Gewichtsverlust sind einige der Symptome, die bei Zöliakie auftreten können. Doch häufig sind die Symptome nicht eindeutig und Betroffene müssen bis zur feststehenden Diagnose mitunter einen langen Leidensweg hinter sich bringen. Daher wird die Zöliakie auch das „Chamäleon der Gastroenterologie“ genannt. Unter Mitwirkung von medizinischen Expertinnen und Experten sowie Mitgliedern der Patientenselbsthilfegruppe Deutsche Zöliakie Gesellschaft (DZG) wurde jetzt die S2K-Leitlinie „Zöliakie“ aktualisiert. Sie soll den Weg zur gesicherten Diagnosestellung verkürzen und die Beratungskompetenz bei den Behandelnden stärken, um die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern.
Verschiedene große epidemiologische Studien haben übereinstimmend gezeigt, dass etwa ein Prozent der Bevölkerung Europas von einer Zöliakie betroffen ist. „Die Symptome der Zöliakie und die Erkrankungssituationen der Betroffenen sind unglaublich variabel. Um dieser Komplexität zu begegnen, haben wir Übersichten geschaffen. Diese stellen die Zöliakie-Symptomatik, mögliche Differentialdiagnosen, bei denen Zöliakie erwogen werden sollte und genetische Syndrome, Autoimmunerkrankungen sowie Konstellationen mit einem erhöhten Zöliakie-Risiko strukturiert dar“, so Leitlinienkoordinator Privatdozent Dr. med. Michael Schumann, Oberarzt der Medizinischen Klinik für Gastroenterologie, Infektiologie und Rheumatologie der Charité Berlin. Erklärtes Ziel sei es, Ärztinnen und Ärzten einfache Vorgehensweisen aufzuzeigen, um bei einem Verdacht die Diagnose Zöliakie schneller stellen zu können.
In der Diagnostik selbst galt lange Zeit eine Gewebeprobe aus dem Duodenum, also aus dem Zwölffingerdarm, als Goldstandard. In der aktualisierten Leitlinie wird jedoch insbesondere die Diagnostik mittels Serologie, also dem Nachweis im Blut, gestärkt. „Es ist möglich, im Serum Antikörper nachzuweisen, die nur bei einer Zöliakie auftreten. Die sogenannte Transglutaminase-IgA-Antikörper (tTg-IgA). Der im Serum des Patienten ermittelte Titer, also die Antikörperkonzentration im Serum, erlaubt eine sehr präzise Diagnostik. Daher empfehlen wir bei Verdacht auf Zöliakie als ersten Schritt die serologische Untersuchung. Im nächsten Schritt führen wir dann eine Ösophagogastroduodenoskopie (ÖGD), also eine Magenspiegelung, durch“, erklärt Leitlinienkoordinator Dr. med. Jörg Felber, leitender Oberarzt der Medizinischen Klinik II am RoMed Klinikum Rosenheim. Das Therapiemittel der Wahl bei Zöliakie ist die konsequente Vermeidung von Gluten in der Ernährung, also die glutenfreie Diät. (red)