Allgemeine Medizin

Bessere Überlebenschance mit Lungen-CT

Die Diagnose Lungenkrebs ist oft ein Todesurteil. Dabei könnte man das Sterblichkeitsrisiko durch regelmäßige CT-Screen-ings deutlich senken. Das zeigt eine neue Studie.

21.08.2020
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Dr. med. Gülay Ay
Fachbereichsleitung Hämatolgie/Onkologie und Pneumologie
Asklepios Paulinen Klinik



Raucher, aber auch Passivraucher leben gefährlich. Ihr Risiko, irgendwann an Lungenkrebs zu erkranken und daran zu versterben, ist groß. Laut Angaben der Deutschen Krebsgesellschaft e. V. gehen vier von fünf Lungenkrebstoten auf das Konto des Tabakkonsums. Für diese Risikopatienten könnte sich deshalb ein regelmäßiges Screening mit dem Computertomographen (CT) lohnen. Das besagt zumindest eine aktuelle Studie, deren Ergebnisse im New England Journal of Medicine veröffentlicht wurde. Bei der sogenannten Nelson-Studie (Nederlands-Leuvens Longkranker Screenings Onderzoek) wurden über 15.000 Frauen und Männer aus den Niederlanden und aus Belgien im Alter von 50 bis 74 zehn Jahre lang beobachtet. Sie alle waren Raucher oder Ex-Raucher. Voraussetzung: Die Probanden mussten mindestens 25 Jahre lang 15 Zigaretten oder mehr pro Tag beziehungsweise 10 Zigaretten oder mehr über 30 Jahre geraucht haben. Die Ex-Raucher sollten den Zigaretten vor weniger als zehn Jahren abgeschworen haben.

Geringeres Risiko

Für die Untersuchung wurden die Teilnehmer in zwei Gruppen eingeteilt. Eine Gruppe erhielt regelmäßige CT-Untersuchungen nach einem, drei und fünfeinhalb Jahren. So sollten Veränderungen im Volumen von Knoten in der Lunge festgestellt werden. Anhand der Ergebnisse wurde eine Nachuntersuchung beschlossen. Die andere Gruppe bekam keine CT-Screenings.
Ein Ergebnis der Studie ist, dass bei der Gruppe mit den regelmäßigen CT-Screenings die Zahl der Todesfälle eindeutig gesenkt werden konnte. Genauer: Bei der Screening-Gruppe starben innerhalb des Beobachtungszeitraums 156 Menschen an Lungenkrebs. In der Kontrollgruppe musste man hingegen 206 Todesfälle beklagen.
Die CT-Untersuchungen verringerten das Sterberisiko also um 24 Prozent.

Frauen profitieren besonders

Bei Frauen könnten die Ergebnisse laut Experten sogar noch deutlicher ausfallen. Allerdings waren die Zahlen aufgrund der geringen Menge an Studienteilnehmerinnen (2500 Frauen gegenüber 13.000 Männern) nicht aussagekräftig genug. Zuvor haben aber bereits Studien wie die deutsche Lusi-Studie von Mitte 2019 die positiven Auswirkungen eines CT-Screenings bei Frauen mit hohem Lungenkrebsrisiko aufgezeigt.
In Europa gibt es bislang noch kein systematisches Screening für Hochrisikogruppen. (red)