Sport, Knochen und Gelenke

Personalisiertes Training bei Brustkrebs

Sport verbessert die Lebensqualität und das Bewegungspensum von Tumorpatienten. Beim Training sollte man jedoch individuelle Vorlieben berücksichtigen

13.11.2017
Mit Sport gegen die typische Müdigkeit nach Krebs.  Foto: Fotolia_Kzenon

Regelmäßige körperliche Bewegung hat einen schützenden Effekt bei vielen Krebsarten und hilft selbst Krebskranken schneller wieder auf die Beine. Doch von welchem Training profitieren die Patienten tatsächlich?
Im Rahmen einer Studie mit Brustkrebs-Patientinnen konnte der Sportwissenschaftler Priv.-Doz. Dr. Freerk Baumann vom Centrum für Integrierte Onkologie (CIO) an der Uniklinik Köln jetzt nachweisen, dass der Schlüssel für nachhaltig positive Effekte in der Personalisierung des Trainings liegt. Wie er im internationalen Fachmagazin „Supportive Care in Cancer“ berichtet, nahmen insgesamt 194 Patientinnen mit Brustkrebs daran teil.

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Standard- und Sport-Reha

Die erste Gruppe von 111 Patientinnen durchlief ein speziell auf sie zugeschnittenes (personalisiertes), dreiwöchiges Training in einer Rehabilitationsklinik. Anschließend wurde sie nach jeweils vier beziehungsweise acht Monaten noch einmal für jeweils eine Woche stationär aufgenommen und erhielt zusätzlich eine auf sie persönlich zugeschnittene Empfehlung für das Training zu Hause. Darin wurden sportliche Vorlieben und Trainingsmöglichkeiten vor Ort berücksichtigt.
Die zweite Gruppe (Kontrollgruppe) mit 83 Patientinnen erhielt eine leitliniengerechte Standard-Reha ohne weitere Betreuung oder Anleitung, was der heute gängigen Rehabilitationspraxis für Brustkrebs-Patientinnen entspricht.
Beide Gruppen wurden im Laufe der Studie insgesamt fünf Mal in Bezug auf ihr körperliches Bewegungsverhalten geprüft und ob ein Zusammenhang mit dem Auftreten typischer Nebenwirkungen, wie Müdigkeit (Fatigue-Syndrom), nachweisbar ist.

Persönliche Vorlieben im Blick

Die Ergebnisse: Bei den Patientinnen, die ein personalisiertes Trainingsprogramm erhielten, hat sich das körperliche Aktivitätsniveau innerhalb von zwei Jahren deutlich verbessert. Ganze 75 Prozent der Patientinnen erreichten die Bewegungsempfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) von mindestens 150 Minuten moderater Aktivität pro Woche.
Die Kontrollgruppe konnte sich dagegen nur leicht steigern. Auch in Bezug auf das Fatigue-Syndrom schnitt die erste Gruppe besser ab und konnte ihre gesundheitsbezogene Lebensqualität deutlich steigern.
Fazit: Brustkrebspatientinnen konnten mit einem individuell Sportprogramm eindeutige und nachhaltig positive Effekte erzielen. Auch eine entsprechende Reha ist wirkungsvoll und unverzichtbar.(red)