Sport, Knochen und Gelenke

Muskelfunktionstest nach Kreuzbandriss

Nach Sportverletzungen sollte man nicht zu früh mit dem Training beginnen. Ein spezieller Test hilft, das Risiko besser einzuschätzen.

08.06.2017
Foto: fotolia_contrastwerkstatt

Ein Kreuzbandriss gehört zu den häufigsten Sportverletzungen. Nach einer Kreuzband-OP zeigen sich Defizite bei Muskelaktivitäten in Knie, Hüfte und Knöchel – teilweise sogar noch bis zu fünf Jahre nach der Operation. Deshalb heißt es erst mal sechs bis neun Monate vom Sport pausieren. Macht man das nicht, können daraus Kniegelenkschäden entstehen. „Viel zu häufig kehren verletzte Sportler zu früh ins Training oder in den Wettkampf zurück“, erklärt Privatdozent Dr. med. Thore Zantop, Unfallchirurg und ehemaliger Leistungssportler der Handballbundesliga auf dem Kongress der Orthopädie und Unfallchirurgie (DKOU) Ende Oktober in Berlin. Das kann weitere Verletzungen etwa am Meniskus ebenso wie einen neuerlichen Kreuzbandriss zur Folge haben. Die Rückfallrate beim Riss des vorderen Kreuzbandes liegt für das operierte sowie das andere Knie zwischen 3 und 49 Prozent.

Anzeige

Fast immer entscheide allein der Zeitfaktor über die Rückkehr auf den Sportplatz, kritisiert Zantop. Eine Überprüfung der passiven Stabilisatoren, bei der der Arzt das Knie bewegt und nicht der Patient selbst, reiche aber nicht aus. Zudem seien die Anforderungen an die Kniemuskulatur und die Bewegungsmuster je nach Sportart unterschiedlich. Aussagekräftiger als die zeitliche Faustregel sind Muskelfunktionstests. Denn sie ermitteln auch das Risiko einer neuerlichen Knieverletzung. Dabei überprüft der Sportmediziner nicht nur die Muskelstärke, sondern macht auch eine Bewegungsanalyse. Damit kann er Schwachstellen wie eine falsche Sprung- oder Lauftechnik ermitteln. Der Knieexperte empfiehlt den Test, der etwa anderthalb Stunden dauert, auch zur Prävention. „Studien haben gezeigt, dass Stabilisations- und Kräftigungsübungen oder angepasste Bewegungsabläufe, wie das Landen mit dem gebeugten statt dem gestreckten Knie, das Verletzungsrisiko deutlich senken können“, betont er. „Der Test ermöglicht es, verletzungsanfällige Sportler, gerade auch bei Jugendlichen, zu identifizieren.“ Fuß-, Hand- und Basketball und Ski alpin sind besonders riskant. (red)

Das könnte Sie auch interessieren