Sport, Knochen und Gelenke

Morbus Bechterew oft zu spät entdeckt

Rückenschmerzen – damit kennt sich fast jeder gut aus. Doch wenn diese chronisch werden, sollte man auch an eine entzündlich-rheumatische Erkrankung denken.

14.12.2017
Im Lauf der Erkrankung kommt es zu schmerzhaften Versteifungen.  Foto: Fotolia / contrastwerkstatt

Anfang des Jahres ging die Schlagzeile durch die Medien: Christine Neubauer hat Morbus Bechterew – eine schwere Verlaufsform der axialen Spondyloarthritis (SpA), neben der rheumatoiden Arthritis (RA). Diese zweithäufigste entzündlich-rheumatischen Wirbelsäulenerkrankung ist zwar wenig bekannt, aber keineswegs selten. Das Tragische: Die 55-jährige Schauspielerin, die viel Wert auf einen gesunden Lebensstil legt, ist nun mit dieser unheilbaren Erkrankung konfrontiert. Angefangen hatte alles mit vermeintlich harmlosen Rückenschmerzen, die allerdings immer wiederkamen.
In Wirklichkeit aber handelt es sich dabei um eine chronische Autoimmunerkrankung, bei der sich das Abwehrsystem gegen körpereigene Zellen richtet, in diesem Fall gegen die Bandscheiben und Wirbelkörper der Wirbelsäule mit den anliegenden Sehnen und Bänder. Alles entzündet sich. Die Schmerzen sind immens. Zwischen den Schüben, in denen sich die Krankheit verschlechtert, es zu Versteifungen und Verknöcherungen kommt und die Patienten kaum noch aufrecht stehen können, gibt es immer wieder ruhige, schmerzfreie Phasen. Das erschwert die Diagnose.

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Familiäre Häufung

In Deutschland gibt es etwa 350.000 Patienten. Männer und Frauen sind gleich häufig betroffen. Allerdings verläuft die Krankheit bei Frauen oft etwas langsamer und milder. Auch eine erbliche Veranlagung spielt eine Rolle. Die genaue Ursache des Morbus Bechterew ist noch nicht geklärt. Vermutlich löst eine Infektion bei Menschen mit familiärer Häufung die Erkrankung aus. Hinzu kommt offenbar eine hohe psychische und physische Belastung. Erschreckend: Bei etwa einem von vier Patienten mit chronischen Rückenschmerzen kann der Grund eine chronisch-entzündliche Wirbelsäulenerkrankung wie Morbus Bechterew sein, darauf wiesen Experten der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh) auf dem 45. Kongress der DGRh Anfang September in Berlin hin. „Als Ursache für den Rückenschmerz werden entzündlich-rheumatische Erkrankungen häufig gar nicht oder erst zu spät erkannt“, bedauert die Rheumatologin Dr. med. Uta Kiltz, Oberärztin am Rheumazentrum Ruhrgebiet in Herne.

Bessere Diagnostik gefordert

„In Anbetracht der Erkrankungshäufigkeit von rund einem Prozent der Bevölkerung ist es besonders wichtig, schnelle und sichere Diagnosen zu stellen, um Betroffene frühzeitig zu therapieren. Nur so können Folgeschäden, Einschränkungen und schlimmstenfalls Arbeitsunfähigkeit verhindert werden.“
Sie fordert, bereits in der Erstversorgung Patienten unter 45 Jahren, die über 12 Wochen chronische Rückenschmerzen haben, auf Charakteristika einer Rheumaerkrankung zu befragen. „Wacht beispielsweise der Patient aufgrund von Schmerzen regelmäßig in der zweiten Nachthälfte auf oder verbessern sich die Beschwerden bei Bewegung, sollte unbedingt an die Möglichkeit einer entzündlich-rheumatischen Erkrankung gedacht werden.“
Haben Patienten darüber hinaus bereits andere Vorerkrankungen, wie chronisch-entzündliche Darmerkrankungen oder Schuppenflechte, verdichte sich die Wahrscheinlichkeit, dass der Rückenschmerz beispielsweise Folge eines Morbus Bechterew sei.
Aufgrund der Komplexität von rheumatischen Erkrankungen empfehlen Experten eine bereichsübergreifende Zusammenarbeit von Ärzten und Therapeuten.(red)