Sport, Knochen und Gelenke

Keine falsche Bewegung!

Rückenschmerzen gehören hierzulande zu den Volksleiden. Millionen quälen sich über kurz oder lang damit herum. Doch was konkret tun, wenn das Kreuz SOS sendet?

22.09.2017
Stundenlanges Sitzen im Büro  –  ohne jegliche Abwechslung  –  ist für den Rücken die Höchststrafe.  Foto: Adobe Stock_Antonioguillem

Deutschland ist ein Land der Stubenhocker. Mangelnde Abwechslung und Bewegung aber schwächen die Muskeln und damit das Korsett, das die Wirbelsäule stützt. Körperlich schwere Arbeit ist das andere Extrem. Denn ständige Lasten zu tragen, schadet dem Kreuz ebenso.
Und dann ist da noch der Faktor Alter. Im Laufe der Jahre können die Bandscheiben buchstäblich schmelzen. Dann reiben die Wirbel schmerzhaft aufeinander. Manchmal reicht schon eine falsche Bewegung, und das sensible Gefüge zwischen Muskeln und Wirbelsäule gerät ins Wanken.

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Wärme und Bewegung

Anders als viele meinen, sind in 90 Prozent aller Fälle Muskelverspannungen schuld an den Schmerzen. Diese quetschen dann die Nerven, die an dieser Stelle vorbeilaufen. Denn nur über diesen Weg empfängt das Gehirn das Schmerzsignal. Wärme und Bewegung sind in diesem Fall die besten Sofortmaßnahmen. Der Grund: Wärme entspannt die angespannte Muskulatur. Dr. Schneiderhan, Orthopäde aus München und Präsident der Deutschen Wirbelsäulenliga empfiehlt eine feucht-warme Packung: „Einfach ein mit heißem Wasser getränktes Frotteetuch um eine Wärmflasche wickeln und auf die betroffene Rückenpartie legen. Feuchte Wärme dringt wesentlich schneller und tiefer in das Muskelkorsett ein als trockene.“ Dadurch entkrampfen Muskel- und Nervenfasern und die gesteigerte Durchblutung lindert erste Beschwerden. Sehr gut helfen auch Thermalbäder, Fango-Packungen und Sauna. Aber auch mit tragbaren Wärmegürteln aus der Apotheke kann man den Tag im Büro besser überstehen. Bewegung erwärmt ebenfalls die Muskeln und ist hilfreich, die lange propagierte Schonung dagegen falsch. Denn so manchem Schmerz kann man tatsächlich „davonlaufen“.

Dehnung und Entspannung

Natürlich sollte man in der Akutphase keine Rekorde aufstellen. Leichtes Spazierengehen, Aqua-Jogging oder Fahrradfahren genügen. Auch gezielte Kranken- und Rückengymnastik bringt Punkte bei der Schmerzbewältigung. Denn die Mischung aus Kräftigung der Bauch- und Rückenmuskeln und Dehnungsübungen hilft, die verkrampfte Muskulatur zu lösen und die Muskeln gleichzeitig für weitere Aufgaben zu stärken.
Nicht zu unterschätzen ist auch der Faktor Stress als Auslöser von Rückenschmerzen. Über 70 Prozent der Betroffenen klagen über Stress. Loslassen können und auch mal Nein sagen – das muss man in unserer Leistungsgesellschaft allerdings erst lernen. Progressive Muskelentspannung nach Jakobson, Autogenes Training und Aufmerksamkeitsübungen sind Techniken, die dabei helfen, mit Stress besser umzugehen.

Bandscheiben entlasten

Ist dagegen der Wirbelkanal verengt, helfen konservative Maßnahmen nicht mehr. Kommt es in diesem Zusammenhang zu Blasenentleerungsstörungen oder Lähmungserscheinungen in Armen oder Beinen, sollte man umgehend zum Arzt gehen. Ein Eingriff ist dann meist unumgänglich. Dies geschieht häufig per Wirbelsäulenkatheter. „Hierbei injizieren die Chirurgen ein individuell abgestimmtes Medikamentengemisch direkt in die betroffene Stelle“, erklärt Dr. Schneiderhan. „Dadurch kommt es zu einer Schrumpfung des störenden Gewebes und somit zu einer Entlastung der betroffenen Nervenwurzel.“ (red)