Sport, Knochen und Gelenke

Fersenschmerz-Therapie jetzt Kassenleistung!

Ein Fersensporn kann schmerzen oder nicht. Nun haben auch chronisch erkrankte Kassenpatienten Anspruch auf die Kostenübernahme einer wirksamen Therapie.

14.11.2018
Auch verkürzte Muskeln sind ein Risikofaktor für die Entstehung eines Fersensporns.  Foto: Fotolia / Peter Atkins Auch verkürzte Muskeln sind ein Risikofaktor für die Entstehung eines Fersensporns. Foto: Fotolia / Peter Atkins

Stechende Schmerzen, die vor allem beim Auftreten nach längerer Ruhephase oder beim Gehen in die Ferse schießen? Dabei könnte es sich um einen Fersensporn handeln. Von außen nicht sichtbar, hat sich eine Plantarfasziitis – eine entzündliche Gewebeveränderung in der Sehnenplatte der Fußsohle – entwickelt.
Etwa jeder zehnte Deutsche leidet mindestens einmal im Leben darunter, meist ab dem 40. Lebensjahr. Frauen häufiger als Männer. Dabei kann die Entzündung immer wieder neu aufflammen. Das Problem: Die teils höllischen Schmerzen führen dazu, dass sich Betroffene immer weniger bewegen, was wiederum neue Probleme verursacht.
Vermag man die Erkrankung nicht auf konventionelle Art zu heilen, kann die „extrakorpale Stoßwellentherapie“ (EWST) helfen. Diese Methode war lange eine Leistung für Selbstzahler oder Privatpatienten. Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hat nun entschieden, dass diese Therapie ab sofort zur Kassenleistung wird.

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Druck auf die Sehnenplatte

Für die Entzündung der Plantarfaszie – also die Sehnenplatte an der Unterseite des Fußes – gibt es verschiedene Ursachen: meist starkes Übergewicht oder das Tragen von Schuhen mit harten Absätzen. Auch eine Überbelastung beim Sport, langes Stehen im Beruf, eine genetisch bedingte Verkürzung des Waden- oder Oberschenkelmuskels oder ein Hohl- beziehungsweise Plattfuß kommen als Gründe infrage.
Typisches Symptom ist der Anlaufschmerz in der Ferse bei den ersten morgendlichen Schritten und nach längerem Sitzen. Der Schmerz bessert sich häufig nach einigen Schritten oder im Laufe des Tages, kommt aber bei Überbeanspruchung wieder. Zudem leiden Betroffene an einer Bewegungseinschränkung im oberen Sprunggelenk. Im weiteren Erkrankungsverlauf klagen sie über einen dumpfen Schmerz an verschiedenen Stellen, der auch in Ruhe auftritt.

Wirksame Maßnahmen

Schlägt das Problem zum ersten Mal auf, sollte man es zunächst mit konservativen Maßnahmen behandeln. Dazu gehört eine Mischung aus individuell angefertigten Schuheinlagen, Dehnübungen, Medikamenten oder Physiotherapie. Erst wenn das Problem chronisch wird, können nun auch Kassenpatienten die Extrakorporale Stoßwellentherapie (ESTW) per Rezept verschrieben bekommen.
„Üblicherweise gilt die Extrakorporale Stoßwellentherapie (ESTW) für rund zehn Prozent der Betroffenen als letzte Therapiemöglichkeit, bevor es zu einer Operation kommt“, erläutert Dr. med. Rainer Berthold, stellvertretender Leiter des Arbeitskreises Bewegungsorgane der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e. V. (DEGUM).
Bei der ESTW gibt ein Gerät Ultraschallstoßwellen in die betroffene Region. Dadurch kommt es zu einer mechanischen Reizung der Sehnenplatte am kalkartigen Vorsprung, dem Sporn, an dem die Entzündung entsteht und der Erkrankung ihren Namen gab. Diese Reizung führt zu Mikrorissen, die einen Heilungsprozess auslösen, was wiederum die Durchblutung erhöht.

Nicht alle Patienten profitieren

Die ESTW wirkt laut Berthold häufig schon während der Anwendung schmerzstillend und hat wegen ihres guten Erfolgs in der physikalischen Therapie in Bezug auf eine verbesserte Bewegung und Schmerzreduktion an Bedeutung gewonnen. „Da die Behandlungskosten im Vergleich zu den sonst übrigen Pauschalen der gesetzlichen Krankenversicherung relativ hoch sind, hat der G-BA nun entschieden, dass nur chronisch Erkrankte und Patienten, die auf andere konservative Maßnahmen nicht ansprechen, eine Erstattung durch die Krankenkasse erhalten“, erklärt Berthold. Die DEGUM beklagt, dass viele Patienten zunächst einen langen Leidensweg von mindestens sechs Monaten gehen müssten, bis sie die ESTW kostenfrei erhalten. Dadurch könnte sich ein noch größerer Fersensporn entwickeln. (red)