Mund, Zähne und Kiefer

Parodontitis vor der Zahnversorgung stoppen

Implantate und Brücken füllen unschöne Lücken auf und stabilisieren das Gebiss. Doch zuvor sollte man entzündetes Zahnfleisch sanieren lassen.

16.02.2018
 Foto: Fotolia / Andrey Popov

Zahnlos im Alter – das war einmal. Der Anteil der Senioren, die noch mit ihren eigenen Zähnen im Kiefer kauen, nimmt in Deutschland seit Jahren zu. Laut fünfter Deutscher Mundgesundheitsstudie (DMS V) besitzen 65- bis 74-Jährige im Schnitt noch 18 eigene Zähne. Die Kehrseite dieser Entwicklung: Alte Menschen sind anfälliger für Parodontitis, eine durch Bakterien verursachte Entzündung von Zahnfleisch, Zahnbett und Kiefer. Sie macht den Kieferknochen porös und führt bei Nichtbehandlung zum Zahnverlust. Sechs von zehn Senioren sind laut DMS V betroffen, bei jedem Fünften der über 65-Jährigen verläuft die Erkrankung schwer. Eine Herausforderung nicht nur für die Zahnmedizin. Denn Parodontitis-Patienten haben auch ein erhöhtes Risiko für Herzinfarkte und Durchblutungsstörungen. Auch Diabetes und Mundentzündung beeinflussen sich gegenseitig.

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Gefährdete Zahnversorgung

Zahnärztin Dr. Ulrike Schulze-Späte, die der Poliklinik für Konservierende Zahnheilkunde und Parodontologie die Sektion für Alterszahnmedizin in Jena vorsteht, forscht zu Faktoren, die den Abbau des Kieferknochens begünstigen. „Das ist eine Voraussetzung, um eine adäquate therapeutische Strategie entwickeln zu können“, erläutert sie. Denn die Entzündung erschwert auch notwendige Behandlungen mit Zahnprothesen oder Zahnimplantaten.
Der Hintergrund: Bei Parodontitis werden mit zunehmendem Alter die Räume zwischen Zahnkrone und Zahnfleisch größer. Sogenannte Zahnfleischtaschen bilden sich. Sie sind die Einfallstore für aggressive Bakterien, die auf diesem Weg tief in das Weichgewebe, den Kiefer und die Zahnwurzel eindringen können.

Fehlender Halt

Die Folge: Das Zahnfleisch geht zurück, der Kieferknochen wird porös. „Parodontitis ist eine schleichende Erkrankung, eine stille Infektion“, sagt die Zahnmedizinerin. Denn wegen fehlender Schmerzen merken die Betroffenen zunächst oftmals nichts davon, werden mitunter erst durch Zahnfleischbluten auf die Erkrankung aufmerksam. Schließlich lockern sich die Zähne und fallen aus. „Bei fortschreitendem Knochenabbau verlieren Zahnprothesen und Brücken den Halt, Implantate lassen sich ohne vorherigen Knochenaufbau im Kiefer nicht richtig verankern“, so Schulze-Späte. „Deshalb muss erst die Parodontitis behandelt werden, bevor ein Implantat gesetzt werden kann.“
Regelmäßige Kontrollen beim Zahnarzt und eine gute Zahnpflege sind daher wichtig. (red)