Mund, Zähne und Kiefer

Implantate wie echte Zähne pflegen

Auch der schönste Zahnersatz ist eine Plattform für Bakterien, die das weiche Mundgewebe entzünden können. Ohne gute Zahnpflege ist sogar der Kieferknochen gefährdet.

28.10.2018
Foto: Fotolia / Ingo Bartussek Foto: Fotolia / Ingo Bartussek

Schätzungsweise eine Million Zahnimplantate werden in Deutschland pro Jahr eingesetzt. Zahlreiche Untersuchungen zeigen, dass die Mehrzahl der Patienten mit dieser Form des Zahnersatzes zufrieden ist und sich die mundbezogene Lebensqualität nach der Behandlung verbessert.
Doch wie schwedische Forscher bei einer großen Nachuntersuchung von knapp 600 Implantatpatienten neun Jahre nach der Behandlung herausfanden, war bei einem Drittel der Patienten die Schleimhaut um die Implantate herum entzündet – Zahnärzte sprechen dann von einer Mukositis. Bei 45 Prozent hatte diese Entzündung bereits auf den Kieferknochen übergegriffen – das Knochengewebe um das Implantat herum war um mehr als einen halben Millimeter abgebaut. Die Diagnose: „Periimplantitis“.

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Knochenabbau und Entzündung

Die Entzündung der Schleimhaut (Mukositis) wird durch Zahnbelag verursacht, der sich bei einer schlechten Mundhygiene an Zahnersatz auf Implantaten genauso bildet wie an den eigenen Zähnen. „Wenn dieser Belag gründlich entfernt wird und sich die Mundhygiene verbessert, heilt die Entzündung binnen weniger Wochen“, sagt der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Implantologie e. V. (DGI) Prof. Dr. Frank Schwarz von der Universitätsklinik Frankfurt. Ändert sich jedoch nichts an der Mundhygiene und bleibt die Entzündung unbehandelt, kann sie voranschreiten und auf die tieferen Gewebe übergreifen.
Früher galt die Periimplantitis als eine Komplikation, die erst viele Jahre nach einer Implantation auftreten kann. Heute wissen die Experten, dass die Erkrankung bereits zwei bis drei Jahre nach der Implantation beginnen kann. Das Gewebe ist dann sichtbar entzündet, vorhandene Zahnfleischtaschen sind tiefer geworden und bluten selbst bei einer sanften Untersuchung mit einer Sonde. Der Rückgang des Knochens wird auf einer Röntgenaufnahme sichtbar.

Prophylaxe schützt

Vorbeugen kann man also nur durch eine regelmäßige und akribische Zahnpflege. „Ein Zahnimplantat muss mindestens so gut gepflegt werden wie die eigenen Zähne“, lautet eine Empfehlung der Deutschen Gesellschaft für Implantologie e. V. (DGI) für Implantat-Patienten. „Patienten mit chronischer Parodontitis, schlechter Plaquekontrolle und fehlender regelmäßiger Mundhygiene nach der Implantattherapie haben ein erhöhtes Risiko für eine Periimplantitis“, warnt Schwarz. „Wichtig sind auch regelmäßige Kontrolluntersuchungen beim Zahnarzt und professionelle Zahnreinigungen, deren Häufigkeit dem individuellen Risiko des Patienten angepasst wird.“ (red)